US-Wahl: Bessere Kurse unter Clinton?

Dienstag, 20.09.2016 11:05 von

Pins zur US-Wahl
Pins zur US-Wahl - © Carsten Reisinger Shutterstock.com
Experten der Helaba haben den Kursverlauf des S&P 500 vor und nach früheren US-Präsidentenwahlen analysiert. Die historischen Daten lassen für einen möglichen Erfolg Trumps nicht das Beste erahnen.

Hillary Clinton oder Donald Trump? Die Antwort auf die Frage, wer künftig im Weißen Haus residiert, wird auf den weltweiten Finanzmärkten mit großer Spannung erwartet. Börsianer mögen keine Unsicherheit, und viele Investoren – egal, ob institutionell oder privat – dürften bei einer Neuausrichtung ihrer Portfolios derzeit die Präsidentschaftswahl in den USA abwarten. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil der von vielen erwartete Wahlsieg Clintons spätestens nach ihrem Schwächeanfall in der vergangenen Woche alles andere als sicher ist. Nach dem von RealClearPolitics.com berechneten Mittelwert aus den bedeutendsten demoskopischen Erhebungen lag Clinton zuletzt mit 44,9 zu 44 Prozent in den Umfragen nur noch äußerst knapp vor ihrem Herausforderer von den Republikanern. Noch Ende August hatte der Abstand sechs Prozentpunkte betragen.

Auch in den Wettbüros schmilzt Clintons Vorsprung

Präsident oder Präsidentin der USA wird, wer am meisten Wahlmännerstimmen auf sich vereinen kann – und nicht unbedingt derjenige, der absolut gesehen die Mehrheit der Stimmen aller Wahlberechtigten der USA bekommt. Denn in 48 der 50 Bundesstaaten der USA gilt die Regel, dass sämtliche Wahlmännerstimmen des jeweiligen Staates an denjenigen gehen, der in diesem Staat die Nase vorn hat. Die Zahl der Wahlmänner variiert dabei je nach Einwohnerzahl.

Angesichts dieser indirekten Präsidentenwahl würden aus Wahlwetten abgeleitete Wahrscheinlichkeiten ein passenderes Bild der Stimmung liefern als Umfragen, meint Markus Reinwand, Finanzanalyst im Research-Team der Helaba. Zwar sei auch dort der Vorsprung Hillary Clintons geschrumpft, die Chancen auf einen Wahlsieg der Demokratin würden aktuell aber noch auf rund 67 Prozent taxiert. Was Reinwand in diesem Zusammenhang nicht erwähnt: Auch vor dem Referendum der Briten Mitte Juni waren die Wettquoten ähnlich eindeutig und ließen darauf schließen, dass Großbritannien in der EU verbleiben würde. Die Bürger entschieden bekanntlich anders.

Was also, wenn Trump in den USA doch die Überraschung schafft? Wäre Trump als US-Präsident besser oder schlechter für die Börse als Clinton? Intensiv hat sich das Reserach-Team der Helaba um Markus Reinwand mit der Performance des US-Aktienindex S&P 500 auseinandergesetzt und analysiert, wie sich die Aktien in den Amtsperioden früherer US-Präsidenten seit 1928 entwickelt haben. Unter den 22 Amtsperioden von Hoover bis Obama fanden sich demnach lediglich fünf, in denen sich der Index negativ entwickelte – vier davon mit einem republikanischen Präsidenten, eine mit einem demokratischen Amtsinhaber.

Macht des Präsidenten auch vom Kongress abhängig

Allzu viel wollen die Experten in diese Beobachtung allerdings nicht hinein interpretieren, ließen sich die Performanceunterschiede doch nicht alleine der Politik der Präsidenten zuschreiben. „Die Aktienperformance über längere Zeiträume wird in hohem Maße durch übergeordnete Trends mitbestimmt, die nur mittelbar im Einflussbereich des Präsidenten liegen“, schreibt Analyst Reinwand in dem aktuellen Papier. Außerdem sei die tatsächliche Macht des Präsidenten auch vom Mehrheitsverhältnis im Kongress abhängig.

Im zweiten Schritt hat die Helaba deshalb nicht die gesamte Amtszeit eines Präsidenten als Basis genommen, sondern sich auf den Kursverlaufs vom S&P 500 Index im Zeitraum neun Monate vor bis zwölf Monate nach dem Urnengang beschränkt. Ergebnis: In den Betrachtungsperioden, in denen ein Demokrat im Weißen Haus auf einen Republikaner gefolgt war, zeigte der US-Aktienmarkt die beste Performance. Im Schnitt lag das Plus bei 12,3 Prozent. Wurde ein Demokrat im Amt bestätigt oder folgte ein weiterer Demokrat, legte der Untersuchung zufolge der Index durchschnittlich um 6,8 Prozent zu. Ganz anders hingegen das Bild bei einem Wechsel von Demokrat zu Republikaner: Wenn ein demokratischer Präsident in der Vergangenheit von einem republikanischen abgelöst wurde, sankt der Untersuchung zufolge der Aktienindex in dem betrachteten Zeitraum rund um den jeweiligen Wahltermin im Schnitt um 7,7 Prozent.

Alles nur purer Zufall und Kaffeesatzleserei? Historisch gesehen spräche zwar wenig dafür, dass von einem Wahlsieg Trumps positive Impulse für die Börsen ausgehen würden, meint Reinwand. Kurzfristig könne es daher bei einem Wahlsieg des Immobilienunternehmers zu Verunsicherungen an den Aktienmärkten kommen. „Würde Trump nach einem Wahlerfolg allerdings mit seinen Vorhaben Deregulierung und Steuersenkungen ernst machen, dürften davon auch Aktien profitieren.“

Markige Wahlkampfworte hin, Umfragen her – eines ist sicher: Auf dem falschen Fuß wie beim Brexit-Votum wollen sich Investoren bei der US-Wahl nicht überraschen lassen.