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Unilever droht aus Leitindex zu fliegen

Donnerstag, 15.03.2018 16:48 von Handelsblatt

Unilevers Entscheidung gegen den Firmensitz London schlägt hohe Wellen in der City. Der Konzern könnte aus dem Leitindex FTSE100 fliegen.

Unilever hat einen Börsenwert von 106 Milliarden Pfund, das macht den niederländischen Konsumgüterriesen zum drittgrößten Unternehmen im FTSE-100-Index. Die Entscheidung, den britischen Firmensitz zugunsten Rotterdams aufzugeben, könnte daher auch Auswirkungen auf den Leitindex der London Stock Exchange haben.

Analysten in der Londoner City erwarten, dass Unilever (Unilever Aktie) künftig nicht mehr im Index vertreten sein wird. Er glaube, dass Unilever den FTSE verlassen werde, sagte Neil Wilson, Analyst bei ETX Capital. „Es ist ein Schlag für die City.“

Ähnlich sieht es James Edwardes Jones, Analyst bei RBC Capital Markets. Es sei wahrscheinlich, dass Unilever den FTSE 100 verlasse, „es sei denn, es gibt eine Ausnahmeregelung“.

Im Unterschied zum Dax, wo nur deutsche Unternehmen zugelassen sind, gibt es für den FTSE100 allerdings keine strikten Nationalitätsbedingungen. Auch ausländische Unternehmen können sich qualifizieren, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen. So sind zum Beispiel der deutsche Reisekonzern TUI und der Schweizer Rohstoffhändler Glencore (Glencore Aktie) beide in dem Index vertreten.

Deshalb würde Unilever nicht automatisch aus dem Index ausgeschlossen. Der Firmensitz sei ein Faktor, aber nicht der entscheidende, heißt es bei der London Stock Exchange. Weitere Kriterien sind die Marktkapitalisierung, die Zahl der Aktien im Streubesitz, die Produktionsstandorte des Unternehmens, die Zusammensetzung der Anteilseigner und des Verwaltungsrats, das Niveau des Anlegerschutzes am Firmensitz und die „Wahrnehmung der Anleger“.

Anhand dieser Kriterien entscheidet die FTSE Group, eine LSE-Tochter, wer in den Index kommt und wer rausfliegt. Zum Fall von Unilever will sie sich noch nicht äußern. Mit einer Entscheidung kann sie sich auch noch Zeit lassen. Laut ihren Regeln hat sie zwölf Monate Zeit, die neuen Umstände zu prüfen.

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