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Thyssenkrupp und Tata Steel: Ein neuer Stahlriese entsteht

Mittwoch, 20.09.2017 11:27 von

Logo von Thyssenkrupp vor dem Hauptsitz in Essen.
Logo von Thyssenkrupp vor dem Hauptsitz in Essen. - © istock.com / Oliver Hoffmann
Nach einer monatelangen Hängepartie ist es nun soweit: Thyssenkrupp und Tata Steel einigen sich auf eine Fusion ihrer Stahlgeschäfte - zur Freude der Anleger.

Thyssenkrupp unterzeichnete zusammen mit dem indischen Unternehmen Tata Steel eine Absichtserklärung über eine Zusammenlegung der europäischen Stahlgeschäfte in ein Gemeinschaftsunternehmen, wie das Dax-Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Beide Partner sollen jeweils 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Anleger feierten die Einigung im frühen Handel am Mittwoch und die Aktie legte deutlich zu.

Abschluss der Fusion für 2018 geplant

Ziel sei es durch den Zusammenschluss einen führenden europäischen Flachstahlanbieter zu schaffen und diesen als Qualitäts- und Technologieführer zu positionieren, hieß es in der Mitteilung von Thyssenkrupp. Das neue Unternehmen würde einen Pro-forma-Umsatz von etwa 15 Milliarden Euro erzielen und insgesamt etwa 48.000 Mitarbeiter an aktuell 34 Standorten beschäftigen. Die Versandmengen des Joint Ventures würden etwa 21 Millionen Tonnen pro Jahr betragen. Das geplante Unternehmen solle „Thyssenkrupp Tata Steel“ heißen und über eine Holding mit Sitz in den Niederlanden geführt werden. Thyssenkrupp werde sein Stahlgeschäft in das geplante Joint Venture einbringen. Außerdem sei auch beabsichtigt stahlwerksnahe Dienstleistungen in das Gemeinschaftsunternehmen zu überführen. Von Tata Steel kämen sämtliche Flachstahlaktivitäten in Europa. Beide Verhandlungspartner würden sich in den kommenden Monaten gegenseitig Einblick in vertrauliche Geschäftsunterlagen gewähren, soweit dies zwischen Wettbewerbern zulässig sei, heißt es weiter. Eine Unterzeichnung des Fusionsvertrags sei für Anfang 2018 geplant, Ende 2018 solle der Zusammenschluss dann abgeschlossen sein.

4.000 Stellen sollen abgebaut werden

Die Joint Venture-Partner wollen sich nach Abschluss der Fusion zunächst darauf konzentrieren, Synergien zu realisieren. Diese sollen vor allem durch eine Integration von Vertrieb, Verwaltung, Forschung, Entwicklung sowie einer gemeinsamen Optimierung von Einkauf, Logistik und Servicecentern und einer verbesserten Auslastung der Weiterverarbeitung zustande kommen. Thyssenkrupp und Tata Steel versprechen sich Synergieeffekte von 400 bis 600 Millionen Euro. Eine schlechte Nachricht gibt es allerdings für die Beschäftigten beider Unternehmen, denn in den kommenden Jahren sollen bis zu 2.000 Stellen in Verwaltungsbereichen und bis zu 2.000 Stellen im Produktionsbereich abgebaut werden. Diese Lasten sollen ungefähr jeweils zur Hälfte auf die beiden Unternehmen entfallen, womit also insgesamt 2.000 Stellen bei Thyssenkrupp betroffen wären. Trotz der sich zuletzt erholenden Stahlpreise leidet der Stahlmarkt derzeit unter Überkapazitäten und Preisdruck. „Es ging uns immer um die beste Lösung für Thyssenkrupp. Ein Joint Venture mit Tata ist die einzige Option, die die strukturellen Überkapazitäten in der europäischen Stahlindustrie adressiert, fundamentalen Mehrwert durch Synergien schafft, und gleichzeitig unserer Unternehmenskultur entspricht. Zugleich ist dies ein klares Bekenntnis zu unseren Wurzeln, denn über das Joint Venture bleibt Thyssenkrupp am Stahl beteiligt.“, sagte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger.

Börse: Stahlfusion sorgt für gute Laune bei Anlegern

Gemessen an der Produktion würde durch die Fusion ein neuer Branchenriese entstehen. Dieser wäre hinter Arcelor Mittal dann das zweitgrößte Stahlunternehmen in Europa. Die Fusion ist noch nicht in trockenen Tüchern, denn sie muss zunächst vom Thyssenkrupp-Aufsichtsrat sowie vom Tata Steel-Verwaltungsrat genehmigt werden. Außerdem müssen auch die Wettbewerbsbehörden dem Zusammenschluss noch zustimmen. Vor allem von Arbeitnehmerseite droht heftiger Widerstand: Betriebsrat und Gewerkschaften fürchten mögliche Werksschließungen und den Arbeitsplatzabbau. Für Freitag ist deshalb eine Kundgebung in Bochum geplant.

Der Durchbruch bei der von Anlegern lang ersehnten Stahlfusion mit Tata Steel beflügelte am Mittwochmorgen die Aktie von Thyssenkrupp. Sie notierte zuletzt mit einem deutlichen Plus von 3,68 Prozent bei 26,175 Euro je Aktie und setzte an die Dax-Spitze. Analysten der Commerzbank hoben ihr Kursziel nach Bekanntgabe der Einigung von 29 auf 32 Euro und beließen ihre Einstufung auf „Buy“.