Terroralarm in Chemnitz: Was wir wissen und was nicht

Sonntag, 09.10.2016 11:49 von

CHEMNITZ (dpa-AFX) - Bei einem Anti-Terror-Einsatz wird hochbrisanter Sprengstoff in einer Chemnitzer Wohnung gefunden. Die Polizei fahndet bundesweit nach einem verdächtigen Syrer. In dem Fall drängen sich Fragen auf, vieles ist noch unklar.

WAS WIR WISSEN:

- Hauptverdächtiger ist der Syrer Dschaber al-Bakr, geboren am 10. Januar 1994 in Sasa, einem Ort südlich von Damaskus. Er wurde vom Verfassungsschutz beobachtet, zu ihm lagen "Erkenntnisse" vor.

- Der Hinweis auf die später vom Spezialeinsatzkommando gestürmte Wohnung kam am Freitag vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Der 22-Jährige soll sich in der Wohnung aufgehalten und einen Bombenanschlag vorbereitet haben.

- Mieter der Wohnung ist eine "Kontaktperson" des Flüchtigen, er soll allein dort gemeldet sein. Als sie gestürmt wurde, war sie leer.

- In den Räumen wurden nach Stunden Hunderte Gramm Sprengstoff gefunden. Er war gut versteckt. Dabei handelt es sich um ein Gemisch, das weit gefährlicher als das bekannte TNT ist. Das Material wurde kontrolliert in einem ausgehobenen Erdloch vernichtet, die Detonation war noch in deutlicher Entfernung spürbar.

- Drei Landsleute des Gesuchten stehen im Verdacht, Kontakt zu dem flüchtigen Dschaber al-Bakr gehabt zu haben. Ein Mann wurde in der Chemnitzer Siedlung, zwei weitere am Hauptbahnhof festgenommen. Auch gegen sie wird wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

- Nach Dschaber al-Bakr wird bundesweit gefahndet. Die Behörden warnen, dass er gefährlich ist.

WAS WIR NICHT WISSEN:

- Ob Dschaber al-Bakr als Flüchtling nach Deutschland kam, wo er lebte und wie lange er in Chemnitz war, geben die Behörden bisher nicht bekannt.

- Es ist offen, ob der Verdächtige bewaffnet ist und Sprengstoff dabei hat und wenn ja, wie viel.

- Handelte der Hauptverdächtige aus eigenem Antrieb oder hatte er Hintermänner im Ausland? Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll er Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben. Ein im September in Köln festgenommener 16-jähriger Flüchtling aus Syrien erhielt nach Ermittler-Angaben von einem Chatpartner im Ausland Anweisungen zum Bombenbau.

- Über mögliche Anschlagsziele des Syrers aus Chemnitz ist bisher nichts bekannt. Weder der Verfassungsschutz noch die Polizei wollten sich zu einem "Focus"-Bericht äußern, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte.

- Wie und warum der offenkundig observierte 22-Jährige verschwinden konnte, ist offen. Vor dem Eindringen der Polizei in die Wohnung wurden Nachbarn gewarnt und zum Verlassen des Hauses aufgefordert. Angesichts der Tatsache, dass es um einen Sprengstoffverdacht ging, musste sensibel vorgegangen werden, vor allem in einem Wohngebiet, sagte ein LKA-Sprecher. Warum die Wohnungstür aufgesprengt wurde - es gab laut Polizei dabei eine Explosion -, dafür gibt es noch keine Erklärung./mon/DP/zb