Telefónica: Werden Bewegungsdaten von Kunden doch bald verkauft?

Donnerstag, 22.09.2016 11:48 von

Ein nächster Schritt zum gläsernen Kunden?
Ein nächster Schritt zum gläsernen Kunden? - © Gil C Shutterstock.com
"Auf ein Neues" heißt es bei Telefónica: Der Mobilfunkkonzern will einen erneuten Versuch starten, die Bewegungsdaten seiner Mobilfunkkunden zu verkaufen. Beim letzten Mal war das Vorhaben an der heftigen Kritik von Datenschützern gescheitert. Anleger scheint die Meldung hingegen nicht abzuschrecken: Die Aufwärtstrends beider Aktien setzen sich auch am heutigen Börsentag weiter fort.

Bereits vor drei Jahren hatte Telefónica die Bewegungsdaten seiner Kunden zu Geld machen wollen. Doch in der Zwischenzeit habe der Konzern dazu gelernt, versicherte Vorstandsvorsitzender von Telefónica Deutschland Thorsten Dirks der WirtschaftsWoche: "Wir werden uns nicht noch mal die Finger verbrennen", denn er wisse nun, dass "Datenschutz ein ganz kritischer Punkt" sei.

Anonymität der Kunden soll gewahrt bleiben

Ein dreistufiger Algorithmus, der bereits mit den Behörden abgestimmt wurde, soll künftig dabei helfen, die Anonymisierung von Kundendaten zu garantieren. Auch Dirks zeigt sich zuversichtlich: "Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir starten können". Zu den Einkäufern könnten in Kürze Unternehmen und Behörden zählen, da sich aus den Nutzungsdaten von Mobilfunkkunden sehr genaue Bewegungsprofile erstellen lassen. Auch für Betreiber von Einkaufszentren sind die Informationen interessant, um die Bewegungsabläufe ihrer Besucher noch besser nachvollziehen zu können. Eine deutsche Handelskette startete bereits erste Versuche. Aber auch die öffentliche Hand könnte von den Daten profitieren. In der Vergangenheit hat beispielsweise die niederländische Polizei Bewegungsdaten vom Navigationsgerätehersteller TomTom gekauft, um Radarfallen danach auszurichten.

Kunden winken Rabatte für Datenfreigabe

Wer bereit ist, seine Daten freizugeben, der wird von Telefónica entsprechend dafür belohnt. „Wenn wir Daten nutzen dürfen und daraus Werte entstehen, dann kann der Kunde natürlich partizipieren“, stellt Dirks in Aussicht. Denn welche Nutzungsdaten der Mobilfunkriese zum Verkauf anbieten darf, liegt in der Hand des Kunden. „Wir wollen den Kunden die Herrschaft über ihre Daten zurückgeben“, so Dirks gegenüber der Wirtschaftswoche.

Unter Berücksichtigung der Sensibilität des deutschen Marktes für das Thema Datenschutz könnte die Umsetzung des Vorhabens ansonsten auch auf Gegenwehr stoßen, wie der Versuch vor drei Jahren bereits bewiesen hat. Ob Telefónica-Kunden von den Plänen genauso begeistert sind wie Telefónica-Anleger, wird die Zukunft zeigen. Die Aktienkurse hat die Meldung zumindest weiter beflügelt. Zum Mittag notiert die Aktie des spanischen Mutterkonzerns mit 1,5 Prozent im Plus, Telefónica Deutschland kann sogar ein Plus von rund 2,5 Prozent verbuchen.