Starbucks bleibt weiter heiß und die Aussichten alles andere als trübe

Montag, 19.09.2016 11:01

Es gibt Unternehmen, die wie ein Uhrwerk schnurren, vor sich hin wachsen und erfolgreich ihre Geschäfte tätigen, die sich von den Wirrungen der Ökonomie und der Konjunktur nur bedingt beeindrucken lassen. Dies sind die Unternehmen, die Warren Buffett liebt, wenn sie verlässlich gute Zahlen abliefern, stabile und prognostizierbare Cashflows, aus denen sie ihr Business finanzieren können und die Dividenden für die Aktionäre und am besten noch Aktienrückkäufe. Und da diese Qualitäten gesucht sind, sind es auch die Aktien dieser Unternehmen und entsprechend hoch bewertet sind sie. Für Value-Anleger sind sie damit meist zu teuer, für Anhänger von Benjamin Graham auf jeden Fall. Denn dieser setzte stets auf unterbewertete Schnäppchen. Warren Buffett hingegen setzt auf Qualität und ist bereit, dafür auch einen höheren Preis zu zahlen.

„Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis
zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.“
(Warren Buffett)

Und das führt uns zu Starbucks (WKN: 884437 / ISIN: US8552441094), die ich schon öfter hier vorgestellt und als langfristiges Investment empfohlen habe. Eine Aktie, die 2015 herausragend performte, in diesem Jahr aber bisher nicht an gewohnte Kurserfolge anknüpfen kann. Ein Unternehmen, das Warren Buffett nicht in seinem Portfolio hat, und das mit einem erwarteten 2017er KGV von 25 höher bewertet ist als Durchschnittsaktien. Eine Aktie also, die besonders anfällig ist für konjunkturelle Turbulenzen, einen starken Dollar, chinesische Irritationen – und damit reif ist für einen Kursabsturz. Eigentlich. Denn Starbucks ist anders.

Starbucks-Chart: finanztreff.de

Starbucks-Chart: finanztreff.de

Als Aktionär freut man sich über schöne Zahlen und Erfolge der Vergangenheit, doch der Blick ist natürlich auf die Zukunft gerichtet. Und angesichts der Unsicherheiten an den Märkten und der doch bereits üppigen Bewertung der Starbucks-Aktien stellt sich natürlich die Frage, ob diese durch künftiges hohes Wachstum im operativen Bereich gerechtfertigt ist. Alkohol und Snacks sind einige der erfolgversprechenden Wachstumstreiber, dazu gesellen sich die unter dem Namen „Verismo“ verkauften Kaffeemaschinen für Kaffeekapseln sowie das zunehmende Angebot von Starbucks-Produkten in Supermärkten und Tankstellen. Starbucks ist hierbei hochpreisig (und hochmargig!), aber man verkauft eben nicht nur Kaffee, sondern vor allem ein Lebensgefühl.

Die zweitgrößte Restaurantkette der USA

Der Kaffeehausbetreiber ist inzwischen die zweitgrößte Restaurantkette der USA und hat sich zwischen die nun drittplatzierte Subway’s und den schwächelnden Platzhirschen McDonald’s geschoben. Nun ist Größe nicht alles, aber Starbucks verdankt seinen Aufstieg seinem starken Wachstum, nicht (nur) der Schwäche der Konkurrenten.

Starkes, profitables Wachstum

Starbucks verfügt über einen ökonomischen Burggraben und damit über die Preissetzungsmacht. Während Konkurrenten Kunden über Rabatte locken, rennen diese Starbucks die Türen ein. Nicht trotz der angehobenen Preise, sondern eben weil diese angehoben wurden. Weil Starbucks es geschafft hat, mehr zu sein als ein Kaffeeausschenker: Starbucks ist zum „Third Place“ geworden, zum dritten Platz, an dem sich Menschen aufhalten neben ihrem Zuhause und ihrem Arbeitsplatz. Starbucks verkauft Lifestyle, ein Lebensgefühl und daher spielt der Preis seiner Produkte für die Kunden nicht die entscheidende Rolle wie Mc Donald‘s oder Burger King.

Starbucks-Kaffee-Pads für Nespresso-Maschinen

Der Kaffeehausgigant möchte den nächsten Schalter auf Wachstum umlegen und startet in Europa mit eigenen Starbucks-Kaffee-Pads für Nespresso-Maschinen. Starbucks bietet weltweit hochpreisigen Kaffee (und mehr) an man hat festgestellt, dass sehr viele Starbucks-Kunden zuhause eine Nespresso-Maschine hätten. Die ebenfalls mit ihren Pads das Hochpreissegment bedienen. Um den perfekten Starbucks-Genuss auch zuhause bieten zu können, hat Starbucks sich viel Zeit gelassen, genauer gesagt gut zwei Jahre. Und erst jetzt ist man mit dem Ergebnis so zufrieden, dass man die Kaffee-Pads den Kunden anbieten mag. Obwohl Starbucks die mit Abstand meisten Kunden in den USA hat, startet man mit dem neuen Produkt in Europa. Was merkwürdig klingt, hat einen profanen Hintergrund, denn die Top-Fünf der Kaffee-konsumierenden Staaten sind die Niederlande, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Und hier liegt der Anteil der „Ein-Portionen-Kaffee-Maschinen“ am Gesamtverbrauch bei rund 40%, so dass Starbucks sich einem riesigen, noch völlig unerschlossenen, Markt gegenüber sieht, den man nun erobern will.

Tee-Kooperation mit Anheuser-Busch InBev

Zuletzt ging man eine Kooperation mit dem weltgrößten Bierbrauer Anheuser-Busch InBev (WKN: 590932 / ISIN: BE0003793107) ein, um künftig beim Vertrieb von Fertiggetränken der Tee-Tochter Teavana zusammenzuarbeiten und hier ähnliche Erfolge zu erzielen, wie bei den Kaffeefertiggetränken. Der Markt für trinkfertige Tees habe in den USA ein Volumen von $1,1 Mrd. pro Jahr und wachse mit durchschnittlich 10 Prozent.

Tee-Offensive in Asien

Darüber hinaus startet Starbucks eine Tee-Offensive in China bzw. der Asien-Pazifik-Region. Dort sollen in mehr als 6.200 Starbucks-Läden speziell auf den dortigen Teegeschmack zugeschnittene Angebote lanciert werden. Vom globalen Tee-Markt, der rund $125 Mrd. ausmacht (auf China alleine entfallen hiervon $9,5 Mrd.), will sich Starbucks so bis Ende 2020 Tee-Umsätze von $3 Mrd. abschneiden.

Starbucks-Geschenkkarte ist ein Hit

Darüber hinaus ist die Starbucks-Geschenkkarte zu dem Top-Weihnachtsgeschenk avanciert. Denn nachdem bereits im Vorjahr jeder siebte Amerikaner eine solche Starbucks-Geschenkkarte auf dem Gabentisch fand, war es 2015 bereits jeder sechste. Für Starbucks ist das Beste daran, dass man das Geld bereits eingenommen hat, egal, ob die Karten auch wirklich eingelöst werden.

Die Marke Starbucks ist der Burggraben

Das Snack-Angebot ist mit 20% Zuwachs einer der Wachstumstreiber. Hier steckt noch eine Menge Potenzial drin, allerdings kein endloses, denn Starbucks wird keine reinrassige Restaurantkette werden, die auf eigene Küchen setzt. Das ausgeweitete Angebot an Bier und Wein wird von den Kunden gut angenommen und füllt die Läden in der Nachmittags- und Abendzeit. Auch hiermit unterstreicht Starbucks seinen Anspruch, der „Third Place“ zu sein, und Starbucks ist es gelungen, seine Marke zum Statussymbol zu machen, zur Coca Cola des Kaffees. Auch wenn andere Ketten das Konzept kopieren wollen, werden sie es sehr schwer haben, Starbucks hier Paroli zu bieten. Asien wächst rasant Und dann ist da noch China. Hier trinken die Leute durchschnittlich drei Tassen Kaffee – pro Jahr. Mit mehr Ladenlokalen kann Starbucks den wachsenden Kaffeedurst der Chinesen bedienen und das Wachstum speist sich aus mehr Filialen und höherem Kaffeekonsum pro Gast. Und auch in Indien, dem Teetrinker-Paradies, legt der Kaffeedurst stark zu.

Mobiler Kaffeegenuss

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Starbucks-App. Nun kann man natürlich keinen Kaffe durch sein iPhone trinken, aber die App ist dennoch ein echter Wachstumstreiber für Starbucks. Denn die Stoßzeit bei Starbucks liegt am frühen Morgen, wenn sich sogar Schlangen an den Tresen bilden, weil die Menschen ihren Coffee-to-go bei Starbucks ordern auf dem Weg zur Arbeit. Da das Bestellen, Zubereiten und Bezahlen einige Zeit in Anspruch nimmt, hat Starbucks eine App kreiert, mittels derer die Kunden ihren Kaffee und die sonstigen Starbucks-Angebote bequem vorab ordern und bezahlen können und diese dann nur noch in der Filiale abholen müssen. Die Wartezeiten reduzieren sich hierdurch enorm und es gelingt Starbucks auf diese Weise, selbst die bereits unter Volllast laufenden Geschäftszeiten nochmals viel besser auszunutzen. Und dabei verringert sich noch die Gefahr, dass Kunden aufgrund der langen Wartezeiten genervt sind und ggf. zur Konkurrenz abwandern.

Starbucks ist innovativ

Nicht unterschätzen darf man die Innovationskraft des Managements. Denn Starbucks hat nicht einfach nur ein Konzept, das weltweit kopiert wird und überall den gleich hohen Wiedererkennungswert bietet. Starbucks ist kein McDonald’s! Starbucks testet neue Wege, nicht nur mit der individuellen Gestaltung seiner Läden, die sich auch schon mal stark ins heimatliche Kolorit einpassen und wie ein Shinto-Schrein daherkommen. Natürlich mit der gut sichtbaren grün-weißen Starbucks-Nixe am Eingang. Darüber hinaus werden ständig neue Dinge ausprobiert, wie die das Bier- und Weinangebot am Abend, die jüngst gestartete Edelkaffeehauskette „Starbucks Reserve Roastery and Tasting Room“, mit der das höherpreisige Segment angesprochen werden soll oder die kleinen 25-Quadratmeter-Shops in New York, die für zusätzlichen Absatz sorgen, ohne die großen Läden zu kanibalisieren….

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de