SNB: Kursänderung zum Jahreswechsel erwartet

Donnerstag, 22.09.2016 12:32 von

Zürich (GodmodeTrader.de) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat nach ihrer letzten Sitzung bekannt gegeben, dass der Zins auf Sichteinlagen unverändert bei minus 0,75 Prozent belassen wird. Einmal mehr wurde explizit erwähnt, dass die SNB nicht davor zurückschreckt, im Währungsmarkt zu intervenieren, sollte sie dies wieder für notwendig halten, wie Joachim Corbach, Head of Currencies & Commodities bei GAM, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Es sei gut denkbar, dass die SNB ihre Geldpolitik gegen Ende des Jahres ändern werde, da dann verschiedene Faktoren zusammenstießen, die das Potenzial hätten, die Märkte durcheinander zu wirbeln: Da wären zum einen die kommenden EZB-Meetings, an welchen weitere Geldlockerungsmaßnahmen möglich seien. Dann das Federal Open Market Committee (FOMC) mit einer möglichen Zinsanhebung gegen Ende des Jahres. Und auf der politischen Seite schaue die Welt selbstverständlich gebannt auf die Präsidentschaftswahlen in den USA, und in Europa berge das Verfassungsreferendum in Italien Spannungspotenzial. All diese Faktoren könnten den Euro bedeutend abschwächen – vor allem wenn sie in Kombination einträten – und die SNB in eine missliche Lage bringen in Bezug auf ihren Einfluss auf den Schweizer Franken, heißt es.

Die SNB habe bewusst nichts zu diesen erwähnten Faktoren gesagt, um zu vermeiden, dass der Schweizer Franken jetzt schon den Fokus der Investorengemeinde wieder auf sich ziehe und Kapitalströme in den Franken flössen. Mario Draghi (EZB-Präsident) und Haruhiko Kuroda (japanischer Zentralbankchef) hätten beide erst kürzlich die positiven Effekte ihrer Negativzins-Politik hervorgehoben, obschon es zahlreiche kritische Stimmen gebe. Nichtsdestotrotz unterstütze dies den SNB-Präsidenten Thomas Jordan in seiner Entscheidung, weiterhin ebenfalls eine Negativzins-Politik in der Schweiz zu fahren, heißt es weiter.

„Die Inflationsrate in der Schweiz bewegt sich langsam aber sicher wieder in positivem Gefilde, was den Effekt hat, dass reale Renditen noch extremer ins Negative stürzen und somit den Franken vor weiterer Aufwertung schützen beziehungsweise dem Wechselkurs zum Euro eine gewisse Stütze bieten. Gleichzeitig bringt das ein ähnliches Ergebnis wie eine monetäre Lockerung, was zunehmend ungerechtfertigt ist, da die jüngsten wirtschaftlichen Daten des Landes durchaus positiv waren“, so Corbach.

Überraschend starke Wachstumszahlen sowie der Widerwille der SNB, den Schweizer Franken weiter aufwerten zu lassen, sollten für den Franken eine relativ enge Handelsspanne vorgeben für die kommenden Wochen und hoffentlich Monate, heißt es weiter.

„Die SNB musste im Juni, Juli und auch im August in den Währungsmärkten eingreifen, um die Nachwehen des Brexit einigermaßen einzudämmen. Im September scheint es nun ein bisschen Luft zum Durchatmen zu geben – die SNB musste bis dato noch nicht eingreifen. Der Entscheid, den Zinssatz bei minus 0,75 Prozent zu belassen, kommt derweil nicht überraschend, zumal auch die Europäische Zentralbank (EZB) sich letzte Woche dazu entschieden hat, vorerst mit Zinsanpassungen abzuwarten“, so Corbach.