ROUNDUP: WLAN-Nutzer dürfen voreingestellter Verschlüsselung wohl vertrauen

Donnerstag, 24.11.2016 14:28 von

KARLSRUHE (dpa-AFX) - Bei der Sicherung des heimischen WLANs gegen Hacker dürfen Internetnutzer sich wohl auf eine individualisierte Verschlüsselung durch den Router-Hersteller verlassen. Das zeichnete sich in einer Verhandlung des Bundesgerichtshofs (BGH) am Donnerstag ab. Eine Pflicht, so einen Schlüssel zu ändern, sehen die Karlsruher Richter nach ihrer vorläufigen Einschätzung nur dann, wenn von Werk dieselbe Kombination an mehrere Geräte vergeben wird oder der Anschlussinhaber von einer Sicherheitslücke weiß. Das endgültige Urteil wollten sie um 15.00 Uhr verkünden.

Der Senat hat zu klären, ob eine Frau wegen verletzter Urheberrechte rund 750 Euro an eine Filmfirma zahlen muss. Ein Unbekannter hatte ihr WLAN gehackt und einen Actionfilm illegal in eine Tauschbörse hochgeladen. Die Frage ist, ob sie dafür haftet, weil sie die voreingestellte Verschlüsselung des Routers nie geändert hatte. Dass dieser Schlüssel wegen Fehlern bei der Generierung leicht zu knacken war, erfuhr sie vom Hersteller erst viel später. (Az. I ZR 220/15)

Illegale Uploads lassen sich über die IP-Adresse bis zum Anschluss zurückverfolgen. Damit ist aber noch nicht klar, wer der Täter ist. Die betroffenen Rechteinhaber machen sich deshalb meist die sogenannte Störerhaftung zunutze und mahnen den Anschlussinhaber ab. Dieser ist zum Beispiel mitverantwortlich, wenn er sein WLAN nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt hat. Nach einem früheren BGH-Urteil gehört dazu, die Standardeinstellungen des Routers zu ändern. Unklar ist, ob das auch für individualisierte Schlüssel gilt.

Die abgemahnte Anschlussinhaberin habe gar keinen Anlass gehabt, an der Sicherheit der Verschlüsselung zu zweifeln, brachte ihr BGH-Anwalt Peter Wessels vor. Für die Gegenseite warf BGH-Anwältin Brunhilde Ackermann der Frau vor, sich überhaupt keine Gedanken gemacht zu haben, ob vielleicht Handlungsbedarf bestanden habe./sem/DP/men