ROUNDUP: Wirtschaft sagt Engagement bei Flüchtlingsintegration zu

Mittwoch, 14.09.2016 06:10 von

BERLIN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft hat weiteres Engagement für die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt zugesagt. "Bei der Ausbildung und der Beschäftigung von Geflüchteten engagieren sich nicht zuletzt viele kleine und mittelständische Betriebe", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. An diesem Mittwoch spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Unternehmensvertretern darüber, wie sich die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verbessern lässt.

Dem DIHK zufolge gab es im Frühjahr fast 140 000 Beschäftigte aus Asylherkunftsländern, rund 30 000 mehr als ein Jahr zuvor. Zudem seien laut Hochrechnung rund 10 000 junge Flüchtlinge in Ausbildung.

"Allerdings handelt es sich hierbei in den wenigsten Fällen bereits um Flüchtlinge, die 2015 zu uns kamen", sagte Schweitzer. "Denn der Weg in die Ausbildung braucht Zeit - nach Erfahrungen der Betriebe etwa zwei Jahre." Das liege vor allem an den fehlenden Deutschkenntnissen und dem Asylverfahren. "Die deutsche Sprache ist das A und O für eine Ausbildung." Ohne ein Mindestniveau gehe es in Berufsschule und Betrieb nicht.

Ende August waren bei den Jobcentern und Arbeitsagenturen 153 000 geflüchtete Männer und Frauen als arbeitslos registriert. Nach Einschätzung von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) werden die Flüchtlinge in großem Maß erst 2017 in der Arbeitsvermittlung sein.

Die Bundesregierung setzt bei der Integration von Asylbewerbern auf ein stärkeres Engagement der Wirtschaft. "Die erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in Deutschland hängt entscheidend davon ab, ob deren Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingt", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, die zügig und konsequent angepackt werden muss." Eine Sprecherin seines Ministeriums fügte hinzu, vor allem der Mittelstand sei hier "sehr aktiv". Daher habe sich Gabriel zusätzlich in einem Schreiben an die Vorstände der großen Dax-Unternehmen gewandt. Die Rückmeldungen würden in die Gespräche der Kanzlerin mit den Unternehmen einfließen.

Merkel trifft sich im Kanzleramt mit Vertretern von Unternehmen, die an der Initiative "Wir zusammen" beteiligt sind. Dazu gehören unter anderem Siemens (Siemens Aktie), Opel, Airbus, Adidas (adidas Aktie) und Volkswagen.

Schweitzer verwies auf das Aktionsprogramm "Ankommen in Deutschland", mit dem die Kammern Beiträge zur Integration leisteten. Allein in diesem Jahr stellten sie rund 20 Millionen Euro zur Verfügung und beschäftigten 170 Mitarbeiter. Ein DIHK-Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge" biete mit Unterstützung der Regierung derzeit über 800 Betrieben Erfahrungsaustausch und Unterstützung.

Laut DIHK haben zwei von drei dieser meist kleinen und mittleren Unternehmen Geflüchtete als Praktikanten, Azubis oder regulär Beschäftigte. Den Firmen gehe es um Unterstützung bei Fragen wie der Überprüfung von Abschlüssen oder der Bedeutung des jeweiligen Asylstatus` für die Sicherheit der Personalplanung.

Schweitzer lobte das Integrationsgesetz, dass verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen und Flüchtlinge bringe. Es mangelt auch nicht an vielen guten Initiativen zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung. "Woran wir auch in der Allianz (Allianz Aktie) für Aus- und Weiterbildung noch gemeinsam arbeiten wollen, ist ein klar strukturierter Pfad, der junge Flüchtlinge mit Bleibeperspektive Schritt für Schritt zur Ausbildungsfähigkeit und dann in Ausbildung führt", kündigte Schweitzer an. Mit diesem Bündnis wollen Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften die Berufsausbildung stärken.

Einer Umfrage von "MDR aktuell" zufolge beschäftigen die zehn umsatzstärksten Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen derzeit nur zwölf Flüchtlinge. Elf von ihnen seien bei den Technischen Werken Dresden als Ein-Euro-Jobber angestellt. Teil der Firmengruppe seien unter anderem die städtischen Verkehrsbetriebe./bw/seb/DP/zb