ROUNDUP: Weitere Unister-Firmen in Insolvenz - Trauerfeier für Firmenchefs

Donnerstag, 01.09.2016 17:38 von

LEIPZIG (dpa-AFX) - Die Unister-Insolvenz zieht weitere Kreise. Inzwischen haben auch die Betriebsgesellschaft des Reiseportals Ab-in-den-Urlaub.de und mit rund 178 Mitarbeitern und zwei weitere kleinere Töchter des Internetkonzerns Insolvenz beantragt. Das sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen hatte kurz nach dem Unfalltod der beiden Unister-Chefs Thomas Wagner (38) und Oliver Schilling (39) Insolvenz beantragt.

Am Donnerstag nahmen bei einer Trauerfeier in Leipzig knapp 400 Mitarbeiter, Freunde und Weggefährten Abschied von den beiden Managern. Trauerredner erinnerten an den Aufbruchsgeist, mit dem Wagner und Schilling Unister zu einem Riesen im Internet-Reisegeschäft ausbauten. Zur Lage des Unternehmens wollte sich kaum einer der geladenen Gäste der Trauerfeier äußern. Die Stimmung sei schon noch gut, sagte ein Mitarbeiter des Controllings.

Ansonsten hieß es: "Entschuldigung, kein Kommentar." Mit Blick auf Wagner und Schilling sagte der ehemalige Unister-Manager Ralph Michaelsen: "Die Besten sterben jung. Und die beiden gehören zu den Besten - menschlich und im Berufsleben."

Die beiden Gesellschafter des Leipziger Internet-Unternehmens waren Mitte Juli bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen. Sie waren auf dem Rückweg aus Venedig. Dort soll Wagner in der Hoffnung auf einen Kredit einem Millionenbetrug aufgesessen sein. Kurz darauf meldete Unister Insolvenz an, weitere Töchter folgten. Nun mit Ab-in-den-Urlaub.de ein weiteres prominentes Portal.

Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die Gesellschaften ohne Altlasten und Verbindlichkeiten an einen Investor verkauft werden können, sagte der Flöther der dpa. Die Buchungen seien sicher, für die Kunden ändere sich nichts, betonte er. Insgesamt sind 1080 Unister-Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.

Bis zum Ablauf der Frist am 31. August lagen laut Flöther sechs konkrete Kaufangebote von Investoren vor. In Absprache mit den Gläubigern werden diese nun geprüft und Einzelverhandlungen mit den Bietern geführt. "Das letzte Wort über den Zuschlag haben die Gläubiger." Die Angebote beziehen sich alle auf die Reisesparte. Somit zeichnet sich ein Deal über das Kerngeschäft mit seinen bekanntesten Unister-Marken und Plattformen als wahrscheinlichste Lösung ab. Dabei gehen Altlasten und Risiken wie Schulden oder Rechtsstreitigkeiten nicht auf den Käufer über.

Bis ein Vertrag mit einem potenziellen Investor unterzeichnet ist, werden die insolventen Gesellschaften fortgeführt. Flöther geht davon aus, dass dies auch dann möglich ist, wenn die Zahlung des Insolvenzgeldes Ende September ausläuft. "Wir haben zwar insolvenzbedingt Rückgänge, aber die Ertragslage ist stabil", so Flöther. Das liege vor allem daran, die "immensen Marketingausgaben" drastisch herunterschraubt wurden. "Wir haben also zwar Einbrüche im Umsatz, aber auch deutlich geringere Kosten."

Unter Druck setzen lassen will sich Flöther nicht, notfalls wolle er sich Zeit nehmen, "um die Braut noch schöner zu machen" - und dann einen höheren Kaufpreis zu erzielen. "Wir machen keinen Notverkauf, wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand, dennoch wollen wir so schnell wie möglich einen Investor finden." Flöther geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren zum 1. Oktober eröffnet werden kann.

Das Insolvenzrecht gibt Flöther die Möglichkeit, Zahlungen, die Unister getätigt hat, unter bestimmen Umständen nachträglich anzufechten - etwa wenn der Konzern eigentlich schon zahlungsunfähig war. "Das wird ein großes Thema sein, dem wir uns nach der Verfahrenseröffnung widmen werden", erklärte Flöther. "Natürlich prüfen wir, ob Zahlungen an Dritte zurückgefordert werden können und wann die Insolvenz faktisch eingetreten ist." Wenn dies schon früher der Fall gewesen sein sollte, gehe es um "sehr hohe Summen."

In Unternehmenskreisen geht man davon aus, dass Unister schon früher zahlungsunfähig war - und zwar mit dem Auslaufen des Hanse-Merkur-Darlehens im Oktober 2015./raz/DP/stb