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ROUNDUP: Wachsende Konkurrenz um einfache Tätigkeiten am Arbeitsmarkt

Donnerstag, 01.12.2016 15:59 von

SCHWERIN (dpa-AFX) - Arbeitsmarktexperten erwarten nach der Flüchtlingswelle eine wachsende Konkurrenz um einfache Tätigkeiten in Deutschland. Die Zahl der Jobs, für die weder ein Berufsabschluss noch Sprachkenntnisse nötig sind, werde bundesweit auf etwa 160 000 geschätzt, sagte Ursula Engelen-Kefer, Professorin an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin, am Donnerstag. Die Zahl werde weiter sinken. Dem gegenüber hätten 46 Prozent der zuletzt gut 2,5 Millionen Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung. Hinzu kämen mehrere hunderttausend erwerbsfähige Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit. Von ihnen hätten mindestens zwei Drittel keinen Berufsabschluss.

Die zunehmende Konkurrenz um niedrigschwellige Tätigkeiten werde eine der wesentlichen Herausforderungen für die Arbeitsagenturen und Jobcentern werden, sagte Engelen-Kefer. Sie müssten auch darauf achten, dass der Wettbewerb nicht zu Lohn- und Sozialdumping führt und die Konkurrenz weiter verschärft. Erst seit kurzem steige die Zahl arbeitsuchender Flüchtlinge bei den Agenturen und Jobcentern. "Sie werden in den nächsten Monaten und Jahren erheblich zunehmen."

Die berufliche Integration von Flüchtlingen ist Gegenstand einer Fachtagung der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit am 8. Dezember in Schwerin. Engelen-Kefer sagte, die Voraussetzungen seien extrem unterschiedlich. Rund 60 Prozent der arbeitsuchenden Flüchtlinge seien im Heimatland in Helfertätigkeiten beschäftigt gewesen und 17 Prozent als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten. Für knapp ein Viertel lägen keine Angaben vor. Bei jungen Flüchtlingen fehlten vollständig Informationen, Erfahrungen und Verständnis für die Bedeutung der betrieblichen Berufsbildung. "Im September 2016 waren nur etwa 10 250 Bewerber für Ausbildungsstellen Flüchtlinge, mithin nicht einmal zwei Prozent", sagte sie. 9310 hätten eine Lehrstelle gefunden. Es überwiege der dringende Wunsch, schnell Geld zu verdienen.

Die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur, Margit Haupt-Koopmann, verwies auf neue Programme. Verstärkt sollen Firmen für Praktika nach dem Integrationskurs gewonnen werden, parallel soll der Deutschunterricht weitergehen. Dem sollen sich möglichst eine Ausbildung oder bei Älteren Qualifizierungen anschließen. Sie sei zuversichtlich, dass die Betriebe diesen Weg mitgehen, sagte Haupt-Koopmann. Nach ihren Worten haben in Mecklenburg-Vorpommern seit Januar mehr als 260 Flüchtlinge einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden. Engelen-Kefer sagte, bei Arbeitgebern müssten noch erhebliche Barrieren abgebaut werden. Diese nähmen bei praktischer Erfahrung mit Flüchtlingen zwar ab, häufig führe dies trotzdem nicht zur Bereitschaft, sie einzustellen./ili/DP/tos