ROUNDUP: VW-Zulieferergipfel Anfang Dezember - Harsche Kritik an Manager-Boni

Montag, 21.11.2016 15:49 von

HANNOVER (dpa-AFX) - Angesichts der jüngsten Entwicklungen bei Volkswagen (VW Aktie) plant Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies für Anfang Dezember ein Zulieferer-Gipfeltreffen. "Der Ort steht noch nicht fest", sagte der SPD-Politiker und VW-Aufsichtsrat nach einer Unterrichtung des zuständigen Landtags-Ausschusses am Montag in Hannover. Nach einem Auftakt in kleinerem Kreise werde eine Woche später in großer Runde getagt. Dafür werde der 6. Dezember als Datum angepeilt.

Bei dem Gipfeltreffen der niedersächsischen Zulieferindustrie soll es um Auswirkungen des Zukunftspakts gehen, den der gebeutelte Autobauer am Freitag vorgestellt hatte. Dieser Pakt sieht neben Reformen und Stellenabbau auch eine Neuausrichtung bei den Zukunftsthemen Elektro-Mobilität und Digitalisierung vor. In Niedersachsen beschäftigt Volkswagen rund 110 000 Menschen; nochmal so viele sind es in den Zulieferunternehmen.

Angesichts des Wandels der Mobilität gelte es auszuloten, wie die Zulieferer etwa über neue Komponenten daran teilhaben könnten, erklärte Lies. Er betonte, dass der Gipfel durchaus den Anstoß geben könnte für ein bundesweites Treffen dieser Art.

Zuvor hatte auch die CDU-/FDP-Opposition gefordert, dass Zulieferer über auf sie zukommende Herausforderungen bei VW informiert werden. Sie forderte zudem als Signal des Managements einen Verzicht auf die Boni der vergangenen Jahre. Der frühere VW-Aufsichtsrat und heutige FDP-Fraktionsvize Jörg Bode sprach sich mit Hinweis auf eine ähnliche Praxis bei der Deutschen Bank für entsprechende Rückforderungen aus. Anders als bisher dargestellt, gebe es durchaus Möglichkeiten dafür.

Harsche Kritik gab es zudem für Äußerungen von VW-Konzernchef Matthias Müller. Er hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein mangelndes Kundeninteresse für den schleppenden Absatz von E-Autos verantwortlich gemacht und betont, dass er Entschädigungswünsche der von der Dieselkrise in Europa betroffenen Kunden nur "emotional" nachvollziehen könne. "Ich halte die Äußerung für mehr als ungeschickt", sagte Lies und betonte: "Das ist der völlig falsche Weg." VW habe das aber nun verstanden.

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Vize-Fraktionsvorsitzende Dirk Toepffer kritisierte: "Die Kommunikation des Konzerns ist unterirdisch." Der Konzern müsse nun endlich wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommen, um verlorenes Vertrauen bei Kunden und Zulieferern zurückzugewinnen. Toepffer hielt zudem der Landesregierung vor, bei Volkswagen zu lange nur beobachtet zu haben statt aktiv zu gestalten./rek/DP/edh