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ROUNDUP: Versicherer Talanx gewinnt dank geringer Schäden an Zuversicht

Dienstag, 15.11.2016 14:17 von

HANNOVER (dpa-AFX) - Großes Glück bei Naturkatastrophen lässt den Versicherer Talanx (Talanx Aktie) 2016 auf mehr Gewinn hoffen. Wenn in den letzten Wochen des Jahres keine großen Schäden mehr einträten, werde sich das beim Nettoergebnis natürlich "positiv niederschlagen", kündigte Vorstandschef Herbert Haas am Dienstag in Hannover an. Während Analysten beim Gewinn mit rund 800 Millionen Euro rechnen, hob der Manager seine Prognose lediglich von "rund" auf "mindestens" 750 Millionen Euro" an. Diese Marke will Haas trotz sinkender Zinseinnahmen auch im kommenden Jahr übertreffen.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Bis zum frühen Nachmittag gewann die Talanx-Aktie 0,84 Prozent an Wert und lag damit in der stärkeren Hälfte des MDax.

Nach geringen Großschäden im Sommer versuchte die Talanx-Führung in Sachen Gewinn nicht zu viel Euphorie aufkommen zu lassen. "Das mag noch ein bisschen verhalten klingen", sagte Haas mit Blick auf eine Prognose für 2016. "Doch das Jahr ist noch nicht zu Ende." Nach Hurrikan "Matthew" und dem Erdbeben in Neuseeland müsse man bedenken, das der schwere Wirbelsturm "Sandy" im Jahr 2012 auch erst im Herbst zugeschlagen habe.

Wenn es gut läuft, wäre in diesem Jahr laut Haas auch mehr Gewinn möglich - und auch die Dividende könnte den bisherigen Spitzenwert von 1,30 Euro je Aktie übertreffen. Talanx werde dann wohl in den oberen Bereich der Ausschüttungsquote gehen. Talanx schüttet in der Regel 35 bis 45 Prozent seines Jahresgewinns an die Aktionäre aus.

In den ersten neun Monaten des Jahres waren Talanx und der mehrheitlich zum Konzern gehörende Rückversicherer Hannover Rück (Hannover Rück Aktie) bei Katastrophen recht glimpflich davongekommen. Von dem für das Gesamtjahr veranschlagten Großschadenbudget von rund 1,1 Milliarden Euro waren Ende September noch rund 590 Millionen Euro übrig.

Die von Wirbelsturm "Matthew" im Oktober angerichteten Schäden dürften den Konzern laut Haas insgesamt mit rund 100 Millionen Euro treffen. Die Explosion beim Chemiekonzern BASF werde voraussichtlich mit einem niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag zu Buche schlagen. Keine allzu hohen Belastungen erwartet er von dem Erdbeben in Neuseeland am Wochenende.

Im dritten Quartal kam dem Konzern ein deutlicher Rückgang bei den Großschäden zugute - auch beim weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück, an dem er gut die Hälfte der Anteile hält. Unter dem Strich verdiente Talanx 234 Millionen Euro und damit 32 Prozent mehr als ein Jahr zuvor - obwohl die Prämieneinnahmen konzernweit um knapp drei Prozent auf 7,3 Milliarden Euro zurückgingen.

Die Gewinnaussichten für 2017 werden bei Talanx wie bei anderen Versicherern durch die anhaltenden Niedrigzinsen getrübt. Zwar will Finanzvorstand Immo Querner mit den Kapitalanlagen wie in diesem Jahr eine Rendite von mindestens 3,0 Prozent erwirtschaften. Das gelingt aber schon jetzt nur, weil der Versicherer hochbewertete Wertpapiere verkauft und damit Buchgewinne einfährt. Um diesen Schritt kommt Talanx kaum herum. Das Unternehmen muss das Geld in die Zinszusatzreserve stecken, mit der die hohen Garantiezinsen für alte Lebensversicherungsverträge abgesichert werden.

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen hat Talanx wie immer mehr Konkurrenten den Abschied von der klassischen Lebensversicherung mit Garantiezins eingeläutet. Inzwischen läuft in der Schaden-, Unfall- und Lebensversicherung von Privat- und Firmenkunden in Deutschland ein hartes Umbauprogramm, das die jährlichen Kosten des Bereichs bis Ende des Jahrzehnts um 240 Millionen Euro senken soll. Dabei setzt der Konzern auf neue Software und verstärkte Automatisierung. 930 Arbeitsplätze fallen weg./stw/mne/fbr