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Gasekonzerne Linde und Praxair planen wieder Zusammen­schluss

ROUNDUP: US-Konzern nimmt neuen Anlauf für Mega-Fusion mit Linde

Mittwoch, 30.11.2016 11:12 von

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Neuer Anlauf bei Mega-Fusion: Beim Industriegase-Konzern Linde (Linde Aktie) könnten sich nach zuvor gescheiterten Verhandlungen wieder Gespräche um eine mögliche Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair (Praxair Aktie) anbahnen. Praxair habe einen überarbeiteten Vorschlag gemacht, teilte Linde am Dienstagabend mit. Man werde den Vorschlag prüfen. Der Aktienkurs von Linde zog am Mittwoch zeitweise um mehr als sieben Prozent an. Im September waren die Papiere nach den gescheiterten Verhandlungen zunächst abgestürzt, konnten sich aber mit rund 150 Euro inzwischen wieder auf das Niveau vor dem Scheitern der Gespräche erholen.

Auch Praxair bestätigte am Dienstagabend die Kontaktaufnahme mit Linde. Es gebe aber keine Sicherheit darüber, ob ein Deal zustande komme, hieß es. Derzeit wolle man keine weitere Stellungnahme zu dem Thema abgeben. Im September waren Fusionsgespräche zwischen Praxair und Linde vorerst gescheitert. Man sei sich bei der Wahl des Firmensitzes und der Struktur des fusionierten Unternehmens nicht einig geworden, hieß es da.

KREISE: AUFSICHTSRATSTREFFEN

Der Linde-Aufsichtsrat wird sich Kreisen zufolge in der kommenden Woche treffen. Das Kontrollgremium werde am 7. Dezember zusammenkommen, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Dieser Termin sei aber schon seit längerem geplant. Auf der Agenda dürfte neben drei neu zu besetzenden Vorstandsposten auch der überarbeitete Fusionsvorschlag von Praxair stehen.

"Überarbeitet kann eigentlich nur bedeuten, dass der Vorschlag seitens der Amerikaner verbessert wurde", sagte ein Börsianer. Für Experte Martin Rödiger vom Analysehaus Kepler Cheuvreux kommt dieser zweite Versuch des US-Konzerns zum gegenwärtigen Zeitpunkt überraschend. Sollten sich die beiden Industriegasehersteller einigen, sei mit erheblichen Synergieeffekten zu rechnen. Mit einer erneuten Annäherung von Praxair an Linde hat hingegen Analyst Jeremy Redenius vom US-Analysehaus Bernstein Research bereits gerechnet. Allerdings erwartet er, dass die Transaktion eher nicht zustande kommt.

DREI OFFENE VORSTANDSPOSTEN

Ein Grund für das bisherige Scheitern der Verhandlungen mit Praxair war laut Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle auch ein Streit zwischen dem damaligen Linde-Finanzchef Georg Denoke und dem Vorstandschef Wolfgang Büchele. Denoke musste seinen Hut nehmen und Büchele teilte mit, dass er nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehe. Zuvor war bereits Linde-Amerika-Chef Tom Blades zum Baudienstleister Bilfinger (Bilfinger Aktie) gewechselt und ist dort seit dem Sommer Unternehmenschef.

Bei einer Fusion von Linde und Praxair würde ein neuer Weltmarktführer für Industriegase entstehen. Linde hatte seinen globalen Spitzenplatz an den französischen Rivalen Air Liquide (Air Liquide Aktie) abtreten müssen, nachdem dieser in diesem Jahr das US-Unternehmen Airgas geschluckt hatte.

GEPLANTER STELLENABBAU

Linde kämpft mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen im Anlagenbau, weil vor allem die ölverarbeitende Industrie wegen der niedrigen Ölpreise wenig investiert. Der Vorstand hat deshalb im Oktober ein massives Sparprogramm mit Stellenabbau angekündigt. Unter anderem prüft Linde, den Standort Dresden mit 500 Mitarbeitern zu schließen. In Pullach bei München könnten 15 bis 20 Prozent der über 3000 Stellen abgebaut werden. Linde beschäftigt weltweit 65 000 Mitarbeiter, davon rund 8000 in Deutschland./mne/tos/nmu/jha/