ROUNDUP/Stimmung der Euro-Unternehmen getrübt - Experte: beunruhigendes Signal

Freitag, 23.09.2016 11:06 von

LONDON (dpa-AFX) - Die Unternehmensstimmung im Euroraum hat sich im September deutlicher als erwartet eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex, eine Umfrage in Unternehmen, fiel um 0,3 Punkte auf 52,6 Zähler, wie das Forschungsinstitut Markit am Freitag in London mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit Januar 2015. Das Wirtschaftswachstum dürfte damit weiter zaghaft bleiben und der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), weitere geldpolitische Lockerungen vorzunehmen, könnte Experten zufolge steigen.

Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang des Indikators auf 52,8 Punkte gerechnet. "Die Eurozone hat das dritte Quartal enttäuschend abgeschlossen", sagte Markit-Ökonom Rob Dobson. Der wirtschaftliche Aufschwung bleibe damit "fragil".

Während die Stimmung in der Industrie deutlich besser ausgefallen ist als erwartet, fielen die Zahlen für den Dienstleistungssektor überraschend schwach aus und zogen wegen der hohen Bedeutung des Dienstleistungssektors innerhalb der Eurozone den Gesamtindikator nach unten.

Besonders pessimistisch sind die Dienstleister in Deutschland. Bankvolkswirte hatten hier eine Stimmungsaufhellung erwartet. Stattdessen trübte sich die Laune deutlich ein. Robuste Signale aus der deutschen Industrie konnten dies nicht ausgleichen.

Überraschend positiv zeigte sich dagegen die Stimmung in französischen Unternehmen. Zwar stehen die Zeichen hier in der Industrie weiter auf Schrumpfung, allerdings weniger deutlich als erwartet. Zudem zeigte sich der Dienstleistungssektor überraschend stark. Der Gesamtindikator für Frankreich sei dadurch zum ersten Mal seit über vier Jahren besser ausgefallen als in Deutschland, sagte Dobson.

Experten vom Londoner Analysehaus Capital Economics weisen darauf hin, dass die am Freitag veröffentlichten Zahlen zu Deutschland und Frankreich implizieren, dass im Rest der Eurozone die Stimmung so schlecht sei wie seit 2014 nicht mehr. Demnach bleibe das Wachstum nicht nur schwach, sondern habe sogar an Schwung verloren.

Dies sei ein beunruhigendes Signal, das den Druck auf EZB erhöhe, mit weiteren geldpolitischen Lockerungen nachzulegen, kommentierte Capital Economics-Experte Stephen Brown. "Wir erwarten, dass die EZB im Dezember eine Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms bekannt geben wird, wenn nicht sogar früher."

^Region/Index September Prognose Vormonat

EURORAUM Gesamt 52,6 52,8 52,9 Verarb. Gew. 52,6 51,5 51,7 Dienste 52,1 52,8 52,8

DEUTSCHLAND Verarb. Gew. 54,3 53,1 53,6 Dienste 50,6 52,1 51,7

FRANKREICH Verarb. Gew. 49,5 48,5 48,3 Dienste 54,1 52,0 52,3°

(Angaben in Punkten)

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