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ROUNDUP: Staatssekretär Machnig koordiniert politische Opel-Gespräche

Donnerstag, 16.02.2017 16:26 von

RÜSSELSHEIM/BERLIN (dpa-AFX) - Im Übernahmepoker um den verlustreichen Autohersteller Opel haben sich Bund und Länder sortiert. Thüringens früherer Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) soll die Gespräche mit der Opel-Mutter General Motors (General Motors Aktie) , den Gewerkschaften, dem französischen Bieter PSA Peugeot (Peugeot Aktie) -Citroën und dem französischen Staat koordinieren, wie am Donnerstag aus Bund-Länder-Kreisen bekannt wurde. Die GM-Tochter Opel hat in Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz Werke mit zusammen rund 19 000 Mitarbeitern.

Der heutige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium kennt Opel aus seiner Zeit als Minister in Thüringen mit dem Werk Eisenach. Erste Kontakte zu GM und PSA gab es bereits. So berieten Unternehmensvertreter auch mit dem Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Lars-Hendrik Röller, über die Opel-Zukunft.

GM erwägt, das Unternehmen nach fast 90 Jahren an den französischen PSA-Konzern zu verkaufen, an dem der französische Staat 14 Prozent der Anteile hält. Nach Informationen des "Handelsblatts" sind die Verhandlungen schon sehr weit fortgeschritten und könnten innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen sein.

Im Fall einer Übernahme erwarten Experten eine schnelle Integration in den Entwicklungs- und Produktionsverbund von PSA, was zu massiven Arbeitsplatzverlusten führe könnte. In die Riege der Pessimisten reihte sich der frühere Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz ein. Opel und seine Mitarbeiter werden die großen Verlierer bei einer Übernahme durch PSA werden, sagte er der Zeitschrift "Automobilwoche".

Große Einschnitte seien beim Entwicklungszentrum am Stammsitz Rüsselsheim zu erwarten, in dem rund 8000 Leute arbeiten. Aber auch die kleinen Werke in Kaiserslautern (Motoren) und Eisenach (Fertigung) seien in Gefahr. Einen Schulterschluss der IG Metall mit den französischen Gewerkschaften erwarte er nicht.

Schlimmer könnte es die GM-Werke in Großbritannien treffen, meint der britische Fusionsexperte John Colley von der Warwick Business School. PSA-Chef Carlos Tavares habe kaum eine andere Wahl, als die beiden Opel/Vauxhall-Produktionsstätten Ellesmere Port und Luton dicht zu machen, weil das den Konzern viel billiger kommen werde als Werkschließungen in Deutschland. Die GM-Fabriken in Osteuropa profitierten von den niedrigeren Lohnkosten und seien näher am Markt als die Werke auf der Insel. Das sei möglicherweise der erste Preis, den man für den Brexit zahlen müsse.

Die IG Metall hat sich bislang nur sporadisch geäußert und beim "Feuerwehr"-Besuch der GM-Chefin Mary Barra in Rüsselsheim intern die Lage sondiert. Der Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug will die Belegschaft gemeinsam mit dem IG-Metall- Bezirkssekretär Jörg Köhlinger am Freitag über die Lage ins Bild setzen.

Als Faustpfand verweist die Gewerkschaft auf einen Tarifvertrag zur Standortsicherung, der aktuell bis Ende 2018 für alle Werke betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Als Gegenleistung muss Opel die Tariferhöhungen aus dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie immer erst verzögert auszahlen. Die erstmals 2013 abgeschlossene Vereinbarung sollte den damaligen Sanierungskurs stützen und war zwischenzeitlich verlängert worden, weil Opel immer noch nicht aus der Verlustzone gefahren war. Sollte das Unternehmen die Konstruktion nach Ablauf verlassen wollen, würden sofort die aktuellen Tarifgehälter fällig, erläuterte ein Sprecher./ceb/tb/DP/tos