ROUNDUP: Schwarz-Grün uneins über Billigflieger-Angebot am Airport Frankfurt

Mittwoch, 02.11.2016 16:26 von

WIESBADEN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Zusammenarbeit des Frankfurter Flughafens mit dem Billigflieger Ryanair stößt in der hessischen Landespolitik auf ein geteiltes Echo - auch innerhalb der schwarz-grünen Regierungskoalition. Während Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Kooperation grundsätzlich begrüßte, sprach der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Mathias Wagner, am Mittwoch laut einer Mitteilung von einer 180-Grad-Wende in der Geschäftspolitik des Flughafenbetreibers Fraport (Fraport Aktie).

"Es ist das Eingeständnis, dass die Prognosen der Fraport zur Entwicklung und Marktpositionierung des Flughafens falsch waren", wurde Wagner zitiert. "Gestern wollte Fraport der Porsche unter den Flughäfen sein, heute ist man mit einem Lada zufrieden."

Fraport habe stets argumentiert, die steigende Nachfrage nach Flugbewegungen habe die neue Landebahn notwendig gemacht. Nun feiere man sich dafür, dass man jemanden gefunden habe, der das neue Angebot nutzen wolle.

Als Bewohner des vom Fluglärm stark belasteten Rhein-Main-Gebiets könne man nur den Kopf schütteln. CDU, SPD und FDP hätten den Flughafenausbau beschlossen, obwohl diese Entwicklungen vorhersehbar gewesen seien und Ausbaugegner darauf hingewiesen hätten, kritisierte Wagner. Ryanair will ab Ende März von Deutschlands größtem Airport Flüge nach Spanien und Portugal anbieten. Weitere Verbindungen sind geplant.

Der Flugverkehr verändere sich, immer mehr hin zu Billig-Angeboten, argumentierte Bouffier. "Nicht nur bei den Ferienfliegern, sondern auch bei den Geschäftsfliegern", sagte er. Der Airport sollte sich daher aus Wettbewerbsgründen für diese Airlines öffnen - allerdings nicht um jeden Preis, betonte der Ministerpräsident. "Deshalb ist die Gebührenordnung dieses Flughafens nicht nach Ryanair gemacht, sondern nach bestimmten Kriterien, die aber aus meiner Sicht nachvollziehbar sind."

Nun müssten Partner wie Lufthansa (Lufthansa Aktie) oder Condor überlegen, wie sie damit umgingen. "Es macht ja keinen Sinn zuzuschauen, wie die Lufthansa ihre Billigfluglinie überall hinbringt nur nicht nach Frankfurt." Befürchtungen, dass mit mehr Billig-Fliegern auch mehr Fluglärm droht, teilte Bouffier nicht. "Ich glaube, dass das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat", sagte er und verwies auf die Bemühungen der Landesregierung gegen Fluglärm.

Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, sprach laut Mitteilung von einem "denkwürdigen Tag". "Bis heute war es für mich nicht vorstellbar, dass ausgerechnet der Grüne Tarek Al-Wazir einem Gebührenmodell für den Frankfurter Flughafen zustimmt, das dafür sorgt, dass man künftig für 9,99 Euro nach Mallorca fliegen kann", erklärte er.

Es sei zudem zweifelhaft, ob die Fraport mit ihrem neuen Geschäftsmodell für Billigflieger erfolgreich sein werde, sagte Schäfer-Gümbel. Er könne sich nicht vorstellen, dass Ryanair akzeptiert habe, dass die Gebührenrabatte nach drei Jahren ausliefen.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Michael Boddenberg, erklärte, der Frankfurter Flughafen reagiere zurecht auf veränderte Kundenwünsche nach mehr Billigflügen. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jürgen Lenders, nannte es "eine völlig normale Entwicklung, dass Ryanair zukünftig auch von Frankfurt aus fliegen wird". Lufthansa werde dennoch weiter der Platzhirsch bleiben.

Nach Meinung der Linken-Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler entlarve die neue Geschäftspolitik der Fraport die "Ausbaulüge". Mit dem Argument, neue Kapazitäten zu brauchen, habe der Flughafen erst den Bau der Nordwestlandebahn und des Terminals 3 durchgesetzt, jetzt müssten Billigflieger bei der Auslastung helfen./löb/DP/mis