ROUNDUP: Mit Rad statt Auto ins Büro - Experte: Werbung muss emotionaler sein

Montag, 28.11.2016 06:07 von

LUDWIGSLUST (dpa-AFX) - Autopendler in den Zentren großer Städte sind nach Auffassung des Werbefachmanns Michael Adler nur mit einem guten Nahverkehrsangebot und mit emotionaler Werbung zum Umstieg auf Bus, Bahn oder Fahrrad zu bewegen. "Der Weg zur Arbeit gehört zu den ganz festen Routinen, die nur schwer aufzubrechen sind", sagte der Geschäftsführer der Bonner Werbeagentur Tippingpoints. Der Hinweis auf den Klimaschutz sollte nicht die Hauptrolle spielen. "Die Leute interessiert letztlich mehr, was sie davon haben: Fitness, Gesundheit, besseres Aussehen."

Bei einer Konferenz der Metropolregion Hamburg zur Zukunft des Verkehrs am Mittwoch in Ludwigslust will Adler mit Vertretern von Städten, Gemeinden und Landkreisen über seine Erkenntnisse diskutieren. Mehr als 400 000 Menschen pendeln täglich in der Metropolregion Hamburg zur Arbeit - Tendenz steigend, wie der Vorsitzende des Lenkungsausschusses der Metropolregion, Andreas Rieckhof, erklärte. Das stelle die Hansestadt und die Region vor große Herausforderungen.

Einige Kampagnen von Tippingpoints für Kommunen, Zweckverbände und das Bundesumweltministerium seien wissenschaftlich begleitet worden, sagte Adler. "Eine Erkenntnis ist, dass Menschen eher bereit sind, ihr Verhalten in der Freizeit zu ändern." Beim Arbeitsweg hingegen wollten die Menschen keine Zeit verlieren, bei der Frisur kein Risiko eingehen und unbedingt vermeiden, verschwitzt im Büro anzukommen. "Da muss man mit emotionaler Werbung ran", lautet das Fazit des Kommunikationsexperten.

Die Auto-Reklame tue genau das sehr erfolgreich. "Dort werden nur schöne Menschen gezeigt, die entspannt durch tolle Landschaften fahren. Staus und Parkplatzsuche kommen nicht vor." Die Realität sehe aber oft anders aus. Nahverkehrsunternehmen hingegen versuchten, den Kunden ihre komplizierten Ticketsysteme zu erklären oder mit dem Hinweis auf den Klimawandel mehr Kunden zu gewinnen. Das Gefühl werde kaum angesprochen. Positive Ausnahmen gebe es, sie seien aber noch selten. Dazu gehörten die "Weil wir dich lieben"-Spots der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Allerdings, räumte Adler ein, müsse auch das Nahverkehrsangebot stimmen. Seiner Beobachtung nach funktioniert das innerhalb einer Stadt ziemlich gut. "Aber am Rand der Metropole kommt es zum Bruch", sagte er. Jemand, der außerhalb wohnt, müsse erst einmal zu ersten Haltestelle kommen. Dafür werde oft das Auto gewählt - "und wer einmal drinsitzt, fährt dann oft durch bis zum Büro"./ili/DP/zb