ROUNDUP: Immer mehr Hurrikan-Tote in Haiti - 'Nicole' zieht auf Bermuda zu

Mittwoch, 12.10.2016 16:57 von

PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON (dpa-AFX) - Eine Woche nach dem schweren Hurrikan "Matthew" in Haiti zeigt sich das ganze Ausmaß der Zerstörung. 1,4 Millionen Menschen in dem bitterarmen Karibikstaat brauchen dringend Hilfe. Auch die Zahl der Todesopfer steigt weiter. Nach Angaben des Zivilschutzes kamen 473 Menschen in dem Wirbelsturm ums Leben. In verschiedenen Medien war von deutlich höheren Opferzahlen die Rede. Rettungskräfte vor Ort sagten, die Zahl der Todesopfer werde voraussichtlich noch steigen.

Die Bewohner der Bermuda-Inseln im Atlantik wappneten sich derweil gegen Hurrikan "Nicole", der am Mittwoch nach Angaben des Hurrikan-Zentrums in Miami Windstärken von bis zu 155 Kilometern pro Stunde erreichte. Das Auge des Sturms sollte sich in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) der Inselgruppe östlich der US-Küste nähern. Experten warnten vor Überschwemmungen und Sturzfluten.

""Nicole" ist eine ernsthafte Bedrohung für Bermuda", sagte Sicherheitsminister Jeff Baron der Zeitung "Royal Gazette". "Es ist sehr wichtig, dass die Bewohner ihre Häuser sichern und sich vorbereiten."

In den USA wurde wegen des neuen Wirbelsturms ein Versorgungsflug des privaten Raumfrachters "Cygnus" zur Internationalen Raumstation ISS verschoben. Der eigentlich für Donnerstag geplante Start werde nun frühestens am Sonntag erfolgen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

Die Lage in Haiti ist nach Angaben von Helfern weiter sehr kritisch. "Die Verteilung der Hilfsgüter läuft nur langsam an", sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. In der Stadt Jérémie sei fast jedes Haus zerstört, die Menschen hätten nichts zu essen. "Die Hilfsgüter kommen langsam an, aber die Verteilung ist eine riesige logistische Herausforderung."

Die US-Hilfsagentur USAID flog 480 Tonnen Hilfsgüter in die Region, aus Frankreich trafen zwei Transportflugzeuge mit Rettungskräften und Material in Haiti ein. Aufgrund der starken Beschädigung der Infrastruktur in der besonders stark betroffenen Region im Südwesten gelangen Lebensmittel, Wasser und Hygieneartikel allerdings nur langsam zu den Menschen.

"Es gibt hier Dörfer, die lassen sich nur per Helikopter oder Boot erreichen", sagte Alexander Mauz vom Arbeiter-Samariter-Bund am Mittwoch nach einem Besuch im Süden. "Die Menschen sind verzweifelt. Sie haben ihre Häuser und ihre Ernte verloren. Auch eine Woche nach dem Sturm ist bei ihnen noch keine Hilfe angekommen."

Am Dienstag vergangener Woche hatte "Matthew" Haiti mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, Straßen und Felder überschwemmt. Anschließend zog der Sturm an der Südostküste der USA entlang. Dort gab es 27 Tote.

In Haiti bereitete den Rettungskräften vor allem die Cholera-Gefahr Sorgen. "Allein im Department Grand'Anse gibt es bereits 279 Fälle", sagte Care-Mitarbeiterin Frew. "Mindestens zehn Menschen sind schon gestorben."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickte eine Million Impfdosen gegen Cholera in das Katastrophengebiet. Allerdings müssten noch weitere Schritte gegen die Ausbreitung der Seuche unternommen werden, teilte die WHO mit. "Das Wichtigste ist, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und die Abwasserentsorgung zu verbessern", sagte WHO-Cholera-Experte Dominique Legros.

"Das Wasser ist hochgradig kontaminiert, weil Latrinen zerstört und sogar ganze Friedhöfe überschwemmt wurden. Es besteht die Gefahr, dass Seuchen wie die Cholera ausbrechen", sagte der Leiter von Caritas International, Oliver Müller. Die Durchfallerkrankung Cholera wird vor allem durch verschmutztes Trinkwasser ausgelöst.

Bei einer Cholera-Epidemie nach dem schweren Erdbeben 2010 waren mehr als 8500 Menschen an der Seuche gestorben. Wahrscheinlich hatten nepalesische UN-Blauhelmsoldaten die Krankheit nach Haiti eingeschleppt./dde/DP/jha