ROUNDUP: IG-BCE-Chef unterstützt Nahles-Konzept für Arbeit in digitaler Ära

Dienstag, 29.11.2016 10:19 von

HANNOVER/BERLIN (dpa-AFX) - Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erhält bei ihren Plänen für das Arbeiten in der digitalen Ära Unterstützung von der Gewerkschaft IG BCE. Mit Blick auf ihr "Weißbuch zur Arbeit 4.0" sagte der Vorsitzende Michael Vassiliadis am Montagabend in Hannover: "Mit dem Weißbuch hat Andrea Nahles einen wichtigen Beitrag geleistet, vorbeugend und systematisch mögliche Veränderungen zu erfassen, die im Zuge der Digitalisierung auf die Arbeitswelt ausstrahlen könnten." Bei der Anpassung gesetzlicher Regeln an eine sich verändernde Arbeitswelt sei eine klare Orientierung notwendig.

Die Arbeit der Zukunft müsse von Tarifvertrag und Mitbestimmung sowie heutigen gesetzlichen Standards geprägt sein. Vassiliadis: "Dann können wir auch über neue Formen der Arbeitszeitgestaltung sprechen, über eine Erprobung von vorteilhaften Modellen, die möglicherweise befristet auch von gesetzlichen Normen abweicht."

Angesichts der Digitalisierung müsse der Schutz vor dem Arbeitsplatzverlust verbessert werden. Die aktuelle Tarifrunde in der ostdeutschen Chemieindustrie sieht der IG-BCE-Chef dabei auch als Testrunde für die Bereitschaft der Arbeitgeber, neue Wege zu gehen.

"Die Zukunft der Arbeit wird es nicht geben, wenn die Arbeitgeber nicht ein neues Verständnis von Normalarbeit entwickeln", betonte Vassiliadis. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) befürwortet Flexibilität, etwa Teilzeit mit Schichtarbeit. Fort- und Weiterbildung bekämen einen zunehmenden Stellenwert.

Der Gewerkschaftschef forderte zudem eine Neuorientierung in der Energie- und Klimapolitik sowie einen beherzten Einstieg in neue Technologien. Die Bundesregierung müsse ein Sofortprogramm für Arbeit, Investitionen und nachhaltiges Wachstum auflegen und unter anderem den Netzausbau und die E-Mobilität zügiger vorantreiben.

Auch bei der Frage der Alterssicherung stellte sich Vassiliadis hinter Nahles' Vorschläge, weil sie aus seiner Sicht das Vertrauen in das wichtigste Versprechen des Sozialstaates zurückgeben könne. An die Adresse der CDU/CSU meinte er: "Ich appelliere deshalb an die Führung der Union, noch in dieser Legislaturperiode eine umfassende Rentenreform zu ermöglichen. Eine große Koalition ist für große Aufgaben da." Seine Gewerkschaft fordere jedoch mindestens eine Stabilisierung des aktuellen Rentenniveaus - mit der Option, das Ganze noch um zwei Prozentpunkte anzuheben.

Die IG BCE hat im laufenden Jahr vor allem durch Todesfälle, Branchenwechsel und Strukturwandel im Steinkohle-Bergbau mehr Mitglieder verloren als neu hinzugewonnen. Bis Ende November lag die Zahl bei 644 991 Mitgliedern (Vorjahr: 652 238)./rek/DP/zb