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ROUNDUP: Geschäftskunden bringen Lufthansa etwas Hoffnung - Aktie an Dax-Spitze

Donnerstag, 20.10.2016 12:31 von

(Neu: Börsenreaktion, Analystenstimmen)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das wichtige Sommergeschäft und Geschäftskunden haben der Lufthansa (Lufthansa Aktie) überraschend Rückenwind verschafft. Nach der Gewinnwarnung vom Juli schraubte das Management um Vorstandschef Carsten Spohr seine Erwartungen für 2016 am Mittwochabend wieder herauf. Vor allem die kurzfristigen Buchungen von Geschäftsreisenden stimmen das Management optimistischer als zuletzt. Doch die Verunsicherung nach den Terroranschlägen in Europa bleibt. Auch Analysten geben für das Geschäft der Lufthansa angesichts ungelöster Probleme keine Entwarnung.

An der Börse wurde Europas größte Fluggesellschaft am Donnerstag dennoch gefeiert. Zeitweise erreichte die Aktie mit einem Plus von mehr als zehn Prozent auf 11,545 Euro ihren höchsten Stand seit Mitte Juli. Zur Mittagszeit lag das Papier noch mit 7,31 Prozent im Plus, war aber immer noch Spitzenreiter im Dax.

NICHT SO OPTIMISTISCH WIE IM FRÜHJAHR

Bei seiner neuen Gewinnprognose zeigte sich der Lufthansa-Vorstand zwar nicht so optimistisch wie noch im Frühjahr, als er noch eine leichte Ergebnissteigerung in Aussicht gestellt hatte. Allerdings soll der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) 2016 nun wohl doch das Niveau von 1,8 Milliarden Euro aus dem Vorjahr erreichen. Seit der Gewinnwarnung im Juli hatte Spohr nur noch ein Ergebnis "unter Vorjahr" angepeilt. Analysten gingen zuletzt im Schnitt von weniger als 1,6 Milliarden Euro aus.

Die Billigflieger Ryanair und Easyjet mussten ihre Prognosen jüngst kappen. Neben der Angst vieler Kunden vor Terroranschlägen in Europa drückt bei den Billigheimern das schwache Britische Pfund aufs Ergebnis. Der Lufthansa drohten vor allem auf den lukrativen Langstreckenverbindungen nach Europa viele Gäste wegzubleiben.

BILLIGES KEROSIN HILFT

Dann aber lief es im Sommer nicht so schlecht wie gedacht. In den ersten neun Monaten fiel der Umsatz vorläufigen Zahlen zufolge lediglich um 1,6 Prozent auf 23,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit sank um knapp ein Prozent auf 1,68 Milliarden Euro. Dabei profitierte die Lufthansa von den niedrigen Treibstoffkosten. So musste das Unternehmen für Kerosin fast 800 Millionen Euro weniger ausgeben als ein Jahr zuvor.

Das fast stabile Ergebnis verdankte die Lufthansa vor allem dem Passagiergeschäft, in dem der Großteil des Treibstoffverbrauchs anfällt. Zusammengerechnet konnten die Marken Lufthansa, Eurowings, Swiss und Austrian Airlines ihr bereinigtes Ebit um vier Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro steigern.

Die übrigen Konzernbereiche - die Frachttochter Lufthansa Cargo, die Wartungssparte Lufthansa Technik und die Bordverpfleger der LSG Sky (Sky Aktie) Chefs - mussten zusammengenommen einen Einbruch des bereinigten Ebit um 21 Prozent hinnehmen. Lufthansa hat bereits mehrere Sparprogramme aufgelegt, bei denen auch zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen.

ANALYSTEN SKEPTISCH

Analysten reagierten überwiegend skeptisch auf die Neuigkeiten. Experte Anand Date von der Deutschen Bank sieht in der erhöhten Gewinnprognose nur einen kurzfristigen Lichtblick für die Lufthansa. Die Aussichten für das kommende Jahr dürften sich dadurch kaum ändern. Die Konkurrenz durch die Billigflieger, ein Überangebot an Flügen auf der Kurz- und Langstrecke sowie die anhaltend hohen Kosten bei der Kernmarke Lufthansa blieben die Hauptprobleme des Unternehmens.

Auch die Lufthansa-Führung sieht die Probleme im Passagiergeschäft nicht gebannt. Zwar habe sich die Nachfrage zuletzt besser entwickelt als gedacht, und auch die Anpassung des Flugangebots habe sich ausgezahlt. Den Angaben zufolge belasten die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten die Nachfrage auf Langstreckenverbindungen nach Europa jedoch weiterhin deutlich. Daher seien weitere "wesentliche Ergebnisschwankungen" möglich, warnte die Konzernspitze.

Für das vierte Quartal rechnet der Lufthansa-Vorstand weiter mit fallenden Ticketpreisen: Die Stückerlöse dürften im vierten Quartal währungsbereinigt um sieben bis acht Prozent sinken, hieß es - ein Prozentpunkt weniger deutlich als im Juli erwartet. Die Stückkosten sollen - Währungsschwankungen und Treibstoff herausgerechnet - um zwei bis drei Prozent schrumpfen. Den kompletten Zwischenbericht will die Lufthansa wie geplant am 2. November veröffentlichen./stw/enl/stb