ROUNDUP: Geringe Schäden beflügeln Hannover Rück - Milliardengewinne im Blick

Donnerstag, 10.11.2016 11:43 von

HANNOVER (dpa-AFX) - Der katastrophenarme Sommer hat die Hannover Rück (Hannover Rück Aktie) dem zweiten Milliardengewinn ihrer Geschichte ein deutliches Stück näher gebracht. "Wir befinden uns auf sehr gutem Weg, unser Gewinnziel von mindestens 950 Millionen Euro für das Gesamtjahr 2016 zu erreichen", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin am Donnerstag in Hannover. Finanzchef Roland Vogel schloss nicht aus, dass der weltweit drittgrößte Rückversicherer nach 2015 erneut die Milliardenschwelle knackt. Das gilt auch für 2017. Die Aktionäre können sich auf eine weitere Sonderdividende einstellen. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei "weiter gestiegen", sagte Vogel.

An der Börse wurden die Nachrichten mit Begeisterung aufgenommen. Der Kurs der Hannover-Rück-Aktie erreichte am Morgen zeitweise den höchsten Stand seit Mai und lag zuletzt noch mit 3,68 Prozent im Plus bei 104,15 Euro. Analyst Philipp Häßler von der Investmentbank Equinet wertete das bestätigte Gewinnziel für 2016 angesichts des überraschend guten Sommerquartals als konservativ.

Während der weltgrößte Rückversicherer Munich Re (Munich Re Aktie) wegen der Niedrigzinsen, des Preiskampfs in der Branche und der Sanierung seiner Erstversicherungstochter Ergo 2016 auf einen deutlichen Gewinnrückgang zusteuert, hält die Hannover Rück weiterhin ihr Rekordniveau von 2015 im Blick. Im kommenden Jahr soll es eher noch etwas weiter nach oben gehen: So hat der Vorstand für 2016 "mindestens", für 2017 bewusst "mehr als 950 Millionen Euro" als Ziel ausgegeben. Experten rechnen für beide Jahre längst mit Überschüssen von gut einer Milliarde Euro.

Auch wenn die Kapitalanlagerendite im kommenden Jahr von 2,9 auf 2,7 Prozent fallen dürfte, will Vogel die absoluten Gewinne in diesem Bereich durch ein höheres Anlagevolumen stabil halten. Im Schaden- und Unfallgeschäft soll die Auflösung überflüssiger Schadenreserven aus früheren Jahren helfen. Zudem hofft die Hannover Rück, dass der seit Jahren anhaltende Preisverfall in der Branche ein Ende findet. In der Personen-Rückversicherung sieht Vogel zudem "Luft nach oben".

Im dritten Quartal verdiente der Rückversicherer trotz rückläufiger Gewinne aus Kapitalanlagen unter dem Strich rund 304 Millionen Euro und damit knapp 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Allerdings blieb von den Prämien im Schaden- und Unfallgeschäft nach Abzug der Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb mehr übrig als im Sommer 2015. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich von 95,8 auf 94,4 Prozent. Für die ersten neun Monate steht nun insgesamt ein Gewinn von 790 Millionen Euro zu Buche.

Für das vierte Quartal zeichnen sich nach den Zerstörungen durch Hurrikan "Matthew" im Oktober weitere Belastungen ab. Laut Finanzchef Vogel dürften die von dem Sturm vor allem in den USA angerichteten Schäden die Hannover Rück knapp 100 Millionen Euro kosten. Doch selbst wenn man zu erwartende Belastungen durch die Erdbeben in Italien und ein Großfeuer zusammenrechne, habe die Hannover Rück in ihrem Großschadenbudget bis Jahresende noch fast 300 Millionen Euro Luft, sagte er.

Sofern in den restlichen Wochen des Jahres keine schwere Katastrophe oder ernsthafte Turbulenzen an den Finanzmärkten dazwischenkommen, will die Hannover Rück voraussichtlich wieder eine Sonderdividende an ihre Anteilseigner ausschütten. "Es ist eine hohe Wahrscheinlichkeit da, dass wir in Höhe der Vorjahresdividende gehen können", sagte Vogel. Da hatte die Hannover Rück je Anteilsschein insgesamt 4,75 Euro ausgezahlt, davon 1,50 Euro als Sonderdividende.

Die Hannover Rück versucht mit solchen Sonderausschüttungen den Anstieg ihres Eigenkapitals abzubremsen. Bereits in den vergangenen Jahren war es der Hannover Rück auf diese Weise gelungen, die Eigenkapitalrendite bei rund 15 Prozent nahezu stabil zu halten. Die größeren Rivalen Munich Re und Swiss Re haben aus ähnlichen Gründen immer wieder für Milliardensummen eigene Aktien vom Markt zurückgekauft. Angesichts der Kapitalschwemme in der Branche gibt es weltweit ein Überangebot an Rückversicherungsschutz - und wenig Chancen, das Kapital rentabel zur Übernahme zusätzlicher Risiken einzusetzen./stw/zb/fbr