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ROUNDUP: Fluggesellschaft Germania verlässt Kassel Airport

Donnerstag, 22.09.2016 16:36 von

CALDEN (dpa-AFX) - Der angeschlagene Kassel Airport gerät mit dem Rückzug der Fluggesellschaft Germania weiter ins Trudeln. Wie der Regionalflughafen mitteilte, bietet sein bislang größter Kunde im Sommer 2017 keine Flüge mehr aus Nordhessen an. Germania fliegt nur noch bis Ende Oktober 2016 von Kassel - nonstop nach Mallorca, Antalya und Kreta. Nach der Hiobsbotschaft erneuern Kritiker ihre Forderung, den Flughafen zu schließen statt weiter zu subventionieren.

Die Geschäftsführung von Kassel-Calden teilte am Donnerstag mit, der Flughafen führe bereits "seit einiger Zeit Gespräche auch mit neuen Airline-Partnern, um im Sommer 2017 ein ausgewogenes und attraktives Flugprogramm anbieten zu können". Ziel sei es, "gemeinsam mit den Airlines Ganzjahresziele ab Kassel zu etablieren".

Der Flughafen setzt zudem auf das Frachtgeschäft. "Basierend auf den derzeit stabilen Auslastungen im Frachtbereich" soll damit ein zweites Standbein aufgebaut werden. Zuvor hatte das Portal "hessenschau.de" über den Rückzug von Germania berichtet.

Bereits länger bekannt ist, dass es im kommenden Winter keine regelmäßigen Ferienflüge von Kassel aus geben wird. Zwischen März 2017 und Juni 2017 fliegt Aegean Airlines zweimal wöchentlich nach Athen.

2015 hatte der Flughafen vor allem wegen mangelnder Auslastung ein Minus von 6,0 Millionen Euro eingeflogen - allerdings waren dies 2,1 Millionen Euro weniger Miese als noch 2014. Damit wurden die Sparvorgaben des Landes von zehn Prozent pro Jahr übererfüllt. Insgesamt wurden 65 000 Passagiere abgefertigt.

Von den ursprünglichen Planungen ist der 2013 eröffnete Flughafen aber weit entfernt. Die Zehnjahresprognose für das Jahr 2024 geht von 497 000 Passagieren aus. Die schwarz-grüne Landesregierung will den Airport 2017 auf den Prüfstand stellen.

Aus der Sicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kann darauf verzichtet werden. Es sei bereits jetzt offensichtlich, dass der Flughafen keine Perspektive habe. Er sollte keine Subventionen mehr bekommen.

In die gleiche Kerbe schlägt die Fraktion der Linken im hessischen Landtag: Der Bau des Flughafens Kassel-Calden sei von Anfang an ein absehbarer wirtschaftlicher Misserfolg gewesen. Aus Sicht der Landtags-FDP sollte sich die Landesregierung engagierter für den Flughafen einsetzen.

Der Handball-Bundesligist aus dem nordhessischen Melsungen orientiert sich für seine Flugreisen bereits jenseits der Landesgrenze: Die Mannschaft werde zu ihren Europapokalspielen und auswärtigen Trainingsaufenthalten künftig vom Airport Paderborn/Lippstadt aus starten, teilte der Verein MT Melsungen mit. Eine zunächst mit Kassel-Calden angestrebte Zusammenarbeit sei nicht zustandegekommen./lin/löb/DP/stw