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ROUNDUP: Fed-Mitglied dämpft Erwartung einer baldigen Leitzinserhöhung

Montag, 12.09.2016 20:37 von

CHICAGO/ST. PAUL/WASHINGTON (dpa-AFX) - US-Notenbankmitglied Lael Brainard hat die Erwartung einer baldigen Leitzinsanhebung gedämpft. Es sei "Vorsicht" bei der Rückführung der lockeren Geldpolitik geboten, sagte sie am Montag in Chicago. Es sei für die US-Notenbank Fed leichter auf eine möglicherweise rasch steigende Nachfrage zu reagieren, als auf mögliche negative Überraschungen. "Die Argumente für eine vorbeugende Straffung der Geldpolitik sind wenig überzeugend", sagte Brainard.

Am Dienstag beginnt wie üblich eine einwöchige Schweigephase vor der Fed-Sitzung am 20. und 21. September. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung im September derzeit bei nur noch 22 Prozent gesehen. Brainard nahm keinen Bezug auf eine konkrete Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (FOMC). Sie gehört zum Direktorium (Board of Governors) der US-Notenbank und ist daher ständig stimmberechtigt im (FOMC).

SCHWÄCHERES PRODUKTIVITÄTSWACHSTUM

Brainard nannte mehrere Gründe für ihre vorsichtige Haltung. So reagiere die Inflation weniger als in der Vergangenheit auf Verbesserungen am Arbeitsmarkt. Zudem gebe es weiterhin Unterauslastungen am Arbeitsmarkt. Die Auswirkung von Ereignissen im Ausland übertragen sich laut Brainard über die Finanzmärkte auch rasch auf die USA. Bei Zinserhöhungen würde die Notenbank viel früher als in der Vergangenheit von einer lockeren zu einer stützenden Geldpolitik übergehen. Die Abschwächung des Produktivitätswachstum sei "ziemlich stark" gewesen.

Trotz ihrer abwartenden Grundhaltung zeigte sich Brainard recht zuversichtlich mit Blick auf die US-Volkswirtschaft. Der Arbeitsmarkt bewege sich in Richtung Vollbeschäftigung und die Inflationsrate in Richtung des Fed-Ziels von zwei Prozent. Brainard erwartet zudem, dass sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal beschleunigen wird.

DOLLARKURS LEICHT UNTER DRUCK

Der Eurokurs legte nach den Aussagen von Brainard kurzzeitig deutlich zu und stieg auf ein Tageshoch von 1,1268 US-Dollar. Zuletzt gab er einen Teil seiner Gewinne ab und wurde mit 1,1245 Dollar gehandelt. Der US-Aktienmarkt baute seine Kursgewinne aus. Die Kurse von US-Staatsanleihen legten leicht zu.

Kurz zuvor hatte sich die Gouverneur der regionalen Notenbank von Minneapolis, Neel Kashkari, ebenfalls eher abwartend geäußert. Insgesamt sei die wirtschaftliche Erholung nach der Finanzkrise langsam und frustrierend verlaufen. Die Inflation würde etwas langsam anziehen, sagte er in St. Paul. Falls die Inflation anziehe, könne die Fed jedoch jederzeit die Zinsen anheben. Kashkari ist derzeit nicht stimmberechtigt im FOMC.

Eine andere Position hatte zuvor Dennis Lockhart, Gouverneur der regionalen Fed von Atlanta eingenommen. Obwohl einige Konjunkturzahlen zuletzt eher schwach ausgefallen seien, sprächen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine ernsthafte Diskussion, sagte er in Washington. "Ich glaube, dass die Wirtschaft genügend Dynamik hat, um die geldpolitischen Ziele in einem akzeptablen mittelfristigen Zeithorizont zu erreichen." Er hat aber zurzeit kein Stimmrecht im FOMC. Zudem ist Lockhart als Falke bekannt und spricht sich schon länger für eine restriktivere Geldpolitik aus./jsl/he