Top-Thema

ROUNDUP: EZB-Chef Draghi deutet Entscheidungen im Dezember an

Donnerstag, 20.10.2016 15:43 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wichtige Entscheidungen über ihr billionenschweres Wertpapierkaufprogramm auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Möglicherweise werden diese Weichen auf der kommenden Sitzung im Dezember gestellt, wie EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt vorsichtig andeutete. So lägen im Dezember neue Projektionen des EZB-Mitarbeiterstabs zu Wachstum und Inflation vor, die der EZB als Entscheidungshilfe dienen. Sollte es notwendig werden, werde die Notenbank alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen, bekräftigte Draghi.

Auf der Sitzung am Donnerstag hat sich der geldpolitische Rat nach Worten Draghis jedoch noch nicht mit der Zukunft der Wertpapierkäufe beschäftigt. Der Rat habe nicht über eine Verlängerung der Käufe über März 2017 hinaus debattiert, sagte Draghi auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die geldpolitischen Beschlüsse. Auch habe man sich nicht mit der Möglichkeit einer Verringerung des monatlichen Kaufvolumens (Tapering) beschäftigt. Ein abruptes Ende der Wertpapierkäufe sei jedoch unwahrscheinlich, schränkte Draghi ein. Vor den Aussagen Draghis hatte die EZB beschlossen, ihre extrem lockere Geldpolitik unverändert fortzusetzen.

KEINE DEBATTE ÜBER WERTPAPIERKÄUFE

Spekulationen über eine schrittweise Verringerung des Kaufvolumens waren zuletzt aufgrund von Medienberichten aufgekommen. Sie hatten an den Finanzmärkten zu spürbar höheren Marktzinsen geführt. Damit verbunden gab es Spekulationen, wie die Notenbank nach dem vermeintlichen Enddatum März 2017 mit ihren Käufen verfahren will. Im Falle einer Verlängerung stellt sich die Frage, ob es wie bisher Käufe von monatlich 80 Milliarden Euro oder weniger beziehungsweise mehr sein sollen. Außerdem stellt sich die Frage, wie die EZB mit absehbaren Knappheiten am Anleihemarkt umgehen will.

Mit diesen Problemen beschäftigen sich seit einigen Wochen Fachgremien der EZB. Draghi sagte, man habe sich auf der geldpolitischen Sitzung am Donnerstag einen Überblick über den Stand der Gremienarbeit verschafft. Außerdem habe man die wirtschaftliche Lage im Euroraum besprochen - ansonsten nichts. An den Finanzmärkten legte der Euro nach den Aussagen Draghis zunächst deutlich zu, er gab seine Gewinne zum Dollar (Dollarkurs) aber schnell wieder ab und fiel anschließend auf ein Tagestief. Die deutsche Börse reagierte nur vorübergehend verschnupft auf die Äußerungen Draghis./bgf/jkr/tos