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ROUNDUP/Bericht: Trump zahlte womöglich 18 Jahre keine Einkommensteuer

Montag, 03.10.2016 06:31 von

NEW YORK (dpa-AFX) - Der milliardenschwere republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat nach einem Bericht der "New York Times" mit der Abschreibung hoher geschäftlicher Verluste möglicherweise 18 Jahre lang massiv Steuern gespart. Die Zeitung berief sich dabei auf ihr zugespielte Steuerunterlagen, die sie von Experten analysieren ließ.

Demnach wäre an einer solchen Steuerersparnis nichts Illegales: Die US-Gesetze ermöglichen derartige Abschreibungen. Aber die Enthüllung der Zeitung löste nur fünf Wochen vor der Wahl eine neue Debatte über Steuervorteile für Reiche wie Trump aus.

Sie lenkte zugleich den Blick auf frühere fehlgeschlagene Projekte des Immobilienmoguls und darauf, dass er sich - im Gegensatz zu seiner Rivalin Hillary Clinton - beharrlich weigert, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. So nannte das Clinton-Lager den Bericht der Zeitung einen "Bombeneinschlag".

Der "New York Times" zufolge machte Trump 1995 Verluste in Höhe von 916 Millionen Dollar (Dollarkurs) (etwa 815 Millionen Euro) aus fehlgeschlagenen Geschäften geltend. Das könnte es ihm nach der Analyse der Experten 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen - was einem steuerfreien Einkommen von etwa 50 Millionen Dollar pro Jahr in dieser Zeitspanne entsprechen würde.

Bei einer Reihe von Wählern dürfte es schlecht ankommen, dass ein reicher Mann wie Trump die Möglichkeit hat, seine Steuerlast derart drastisch zu drücken. Ohnehin werfen ihm Gegner vor, dass auch die von ihm im Wahlkampf vorgelegten Steuerpläne wohlhabende Amerikaner stark begünstigen.

Zudem hat die anhaltende Weigerung, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, bei vielen den Verdacht genährt, dass Trump etwas zu verheimlichen versucht. Die Veröffentlichung in der "New York Times" - nur ein winziger Auszug der Steuerunterlagen von 1995 - könnte diesen Eindruck verstärken.

Trumps Lager bestritt die Echtheit der Unterlagen nicht. Es betonte in einer Erklärung, dass Trump vor seinem Unternehmen, seiner Familie und seinen Angestellten die treuhänderische Verantwortung habe, nicht mehr Steuern zu zahlen als gesetzlich vorgeschrieben. Außerdem habe er Hunderte Millionen Dollar an anderen Steuern gezahlt, unter anderem Grundstücks-und Umsatzsteuern.

Weiter hieß es, dass Trump die Steuervorschriften besser kenne als jeder andere Präsidentschaftskandidat in der Geschichte. Er sei daher auch der einzige, der wisse, wie man die Steuerregeln verbessern könne.

Das Clinton-Wahlkampflager erklärte, der Zeitungsbericht enthülle, wie "kolossal" die früheren geschäftliche Fehlschläge Trumps gewesen seien und "wie lange er möglicherweise das Abführen von Bundeseinkommensteuern vermieden hat"./ch/DP/zb