ROUNDUP 3: Wirecard beflügelt mit Prognose Anleger-Fantasie - Aktie hebt ab

Mittwoch, 16.11.2016 17:15 von

(Neu: Aktueller Kurs)

ASCHHEIM/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Zahlungsdienstleister Wirecard (Wirecard Aktie) hat mit einer ersten Gewinnprognose für das kommende Jahr die Investoren begeistert. Das TecDax-Schwergewicht rechnet wegen des anhaltenden Booms im Online-Handel mit weiter stark steigenden Gewinnen. An der Börse kam die Nachricht gut an - die Aktie kletterte um 7,5 Prozent und nähert sich damit wieder dem Rekordhoch vom Oktober 2015.

Für 2017 wird ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 382 bis 400 Millionen Euro erwartet, wie das für seine eher konservativen Prognosen bekannte Unternehmen am Mittwoch in Aschheim bei München bei der Bekanntgabe detaillierter Zahlen für die ersten neun Monate mitteilte. Das wäre bis zu 75 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Das obere Ende der Spanne liegt zudem über den Erwartungen der Experten.

Für das laufende Jahr hatte Wirecard das Ziel erst vor kurzem angehoben und rechnet mit einem Ebitda von 298 bis 312 Millionen Euro nach 227 Millionen im Vorjahr. Wirecard profitiert vom Boom im Onlineshopping, der auch die Zahlungsvorgänge im Internet ankurbelt. Zuletzt legte das Unternehmen bei Umsatz und operativem Ergebnis kräftig zu.

In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Umsatz um ein Drittel auf 719 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis (Ebitda) betrug der Anstieg zirka 35 Prozent auf 214 Millionen Euro. Dank eines Verkaufs der Anteile an Visa (Visa Aktie) Europa an den US-Konzern Visa blieb unter dem Strich sogar noch mehr hängen. Der Überschuss stieg um 120 Prozent auf 216 Millionen Euro - ohne den Visa-Effekt hätte das Plus bei knapp 29 Prozent gelegen.

An der Börse stand das Papier im bisherigen Jahresverlauf trotz der hohen Anstiege beim Umsatz und Gewinn unter Druck. Seit Ende Dezember sank der Börsenwert um knapp fünf Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist vor allem ein drastischer Einbruch zu Beginn des Jahres. Auslöser war ein fragwürdiger Bericht eines bis dahin unbekannten Analysedienstes namens Zatarra über vermeintlich zweifelhafte Geschäfte von Wirecard.

Der Kurs der Wirecard-Aktie stürzte wegen des Berichts innerhalb weniger Tage um bis zu 40 Prozent auf zeitweise unter 30 Euro ab - da halfen auch alle Dementis des Unternehmens nichts. In den vergangenen Monaten konnte sich das Papier erholen und kostete am Mittwochnachmittag wieder mehr als 44 Euro. Damit rückt das Rekordhoch von 48,96 Euro aus dem Herbst 2015 wieder in Sichtweite.

Neben der guten Entwicklung des Geschäfts führen einige Händler den jüngsten Anstieg auch auf Übernahmegerüchte zurück. Dank seiner guten Marktposition sei Wirecard für eine Reihe von großen Finanzkonzernen interessant geworden, wird am Markt spekuliert. So oder so trauen viele Experten der Aktie in den kommenden Monaten einen weiteren Kursanstieg zu.

Der Großteil der Aktienanalysten hatte dem Inhalt der Zatarra-Berichte ohnehin keinen bis wenig Glauben geschenkt. Sie blieben größtenteils bei ihren positiven Einstufungen. Aktuell empfehlen 24 der 28 von Bloomberg erfassten Analysten das Papier zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit rund 52 Euro auch über dem Rekordhoch.

Lars Dannenberg, Analyst bei Hauck & Aufhäuser, traut dem Papier sogar einen Sprung auf 64 Euro zu. Er stufte die Ziele für 2017 als stark ein. Das sahen viele Experten ähnlich, zumal Wirecard für seine eher konservativen Prognosen, die dann im Laufe des Jahres immer wieder nach oben angepasst werden können, bekannt ist.

Ein Nutznießer der jüngsten Kursgewinne ist der Vorstandschef Markus Braun, der im Laufe des Jahres in der Schwächephase der Aktie immer wieder Anteile dazugekauft hat. Aktuell hält er nach Unternehmensangaben ein Paket über 7 Prozent - das sind zirka 8,65 Millionen Stück, die nach dem Kursanstieg vom Mittwoch auf einen Wert von rund 380 Millionen Euro kommen./zb/nmu/jha/