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ROUNDUP 3: Supermarktkette Kaiser's Tengelmann vor Zerschlagung - viele Jobs weg

Donnerstag, 13.10.2016 20:57 von

(neu: Mehr Details.)

MÜLHEIM/KÖLN (dpa-AFX) - Hiobsbotschaft für die 15 000 Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann: Nach gescheiterten Rettungsverhandlungen soll die verlustreiche Supermarktkette zerschlagen werden. Der Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub rechnet mit dem Verlust einer "großen Zahl" von Arbeitsplätzen. "Leider müssen wir davon ausgehen, dass für zahlreiche Filialen kein Supermarktbetreiber gefunden werden kann", erklärte er am Donnerstagabend. Bundesweit beschäftigt Kaiser's Tengelmann noch rund 15 000 Menschen in über 400 Filialen.

Bei den Rettungsverhandlungen zwischen Tengelmann, Edeka und Rewe war es darum gegangen, dass Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka Kaiser's Tengelmann doch noch wie geplant übernehmen kann. Dafür war ein Kompromiss mit dem Konkurrenten Rewe nötig, dies scheiterte aber. Haub sprach von einer "sehr enttäuschenden Nachricht".

GEBOTE SOLLEN BEREITS KOMMENDE WOCHE EINGEHOLT WERDEN

Nach dem Scheitern der Gespräche sollen bereits ab der kommenden Woche für das Kaiser's-Filialnetz der Vertriebsregion Nordrhein sowie die Fleischwerke in Viersen, Donauwörth und Perwenitz Interessensbekundungen am Markt eingeholt werden. Die "Verwertungsphase" der Vertriebsregionen München und Berlin solle zeitverzögert starten, hieß es. Haub erklärte, er habe die Geschäftsführung von Kaiser's Tengelmann beauftragt, in umfassende Sozialplanverhandlungen einzutreten

Seit Wochen gab es Verhandlungen zur Rettung von Kaiser's Tengelmann. Grund waren erhebliche Probleme bei der geplanten Übernahme durch Edeka. Doch hatten auch zwei Krisengipfel zwischen den Chefs von Tengelmann, Edeka, Rewe sowie Vertretern der Gewerkschaft Verdi keine Lösung gebracht. Bei einem Treffen in der vergangenen Woche hatten sich die Beteiligten eine Frist bis zum nächsten Montag gesetzt, um zu einer Lösung zu kommen.

REWE UND MITSTREITER HATTEN GEGEN MINISTERERLAUBNIS GEKLAGT

Rewe spielte eine Schlüsselrolle bei den Gesprächen. Rewe sowie Norma und Markant hatten gegen eine Ministererlaubnis zur Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka geklagt. Mit dieser hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein Veto des Bundeskartellamts gegen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka ausgehebelt.

Wegen der Klagen konnte Edeka Kaiser's Tengelmann nicht wie geplant übernehmen. Die wirtschaftliche Lage der Supermarktkette hatte sich in den vergangenen Wochen zunehmend verschlechtert. In Krisentreffen war versucht worden, doch noch eine Lösung zur Rettung von Kaiser's Tengelmann zu finden. Dafür hätte Rewe die Klagen zurückziehen müssen.

GEGENSEITIGE SCHULDZUWEISUNGEN

Am Donnerstagabend aber erklärten Tengelmann, Edeka sowie Rewe die Verhandlungen für gescheitert. Die Konzerne wiesen sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Gespräche zu.

Haub erklärte, die Kläger seien nicht bereit gewesen, "konstruktiv an Lösungen zu arbeiten" und ihre Beschwerden zurückzuziehen. Rewe-Chef Alain Caparros warf Haub und Edeka-Chef Markus Mosa vor, diese hätten sich auf Kosten der Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann "verspekuliert". Es gebe bis jetzt kein ernsthaftes, überprüfbares und rechtlich umsetzbares Angebot an Rewe für eine konstruktive Lösung.

GABRIEL POCHT WEITER AUF KOMPROMISS

Edeka erklärte: "Es drängt sich der Eindruck auf, dass Rewe an keiner Lösung im Rahmen der Ministererlaubnis interessiert war." Entgegen allen öffentlichen Verlautbarungen in der Vergangenheit sei Rewe offenbar nicht bereit, zu den gleichen Bedingungen wie Edeka zumindest Teile von Kaiser's Tengelmann zu erwerben und die Mitarbeiter entsprechend abzusichern.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel pocht auch nach den gescheiterten Verhandlungen über eine Rettung von Kaiser's Tengelmann weiter auf einen Kompromiss. Er appelliere nochmals, "dass sich alle Beteiligten ernsthaft bemühen sollten, eine tragfähige Lösung für die Zukunft" der knapp 16 000 Mitarbeiter zu finden, erklärte der SPD-Chef in Berlin. Ein Scheitern der Verhandlungen wäre erschütternd für die betroffenen Mitarbeiter./rea/DP/men