ROUNDUP 2: Wirtschaftsministerium stellt Aixtron-Übernahme auf Prüfstand

Montag, 24.10.2016 13:23 von

(neu: Aussagen Ministeriumssprecher, Details)

HERZOGENRATH (dpa-AFX) - Die Übernahme des kriselnden Spezialmaschinenbauers Aixtron durch chinesische Investoren steht auf tönernen Füßen. Das Bundeswirtschaftsministerium will das Geschäft erneut eingehend prüfen - seine Anfang September an den Bieter Fujian Grand Chip Investment (FGC) erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung widerrief das Haus von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nach Angaben vom Montag in der vergangenen Woche. Zu den Gründen wollte ein Sprecher keine Stellung nehmen. Aixtron war am späten Freitagabend darüber informiert worden, tappt nach Aussagen eines Unternehmenssprechers aber im Dunkeln, was zum Umdenken im Ministerium führte.

Am Markt zeigten sich Anleger enttäuscht, sowohl die frei handelbaren Papiere als auch die bereits im Rahmen des Angebots angedienten Aktien gaben am Mittag 7 Prozent beziehungsweise 9 Prozent nach. Börsianer waren von der Nachricht kalt erwischt worden und beurteilten die Chancen für die Übernahme nun skeptischer. Eine Hängepartie droht denjenigen Anlegern, die sich bereits für das Angebot aus China entschieden hatten: Seit Samstag läuft eine 30-Tage-Frist, während der sie nicht von der Andienung zurücktreten können.

ANNAHMEFRIST FÜR ANGEBOT AM FREITAG AUSGELAUFEN

Grand Chip Investment hatte Ende Juli ein 670 Millionen Euro schweres Kaufangebot für Aixtron abgegeben. Zuletzt hatte es noch so ausgesehen, dass die Chinesen fast am Ziel sind. Bis Ende vergangener Woche waren ihnen eigenen Angaben zufolge rund 65 Prozent der Anteile angeboten worden. Die Annahmefrist war am Freitag ausgelaufen, die Annahmeschwelle lag bei 50 Prozent plus einer Aktie. Bedingung war allerdings auch, dass die Behörden dem Deal zustimmen.

Aixtron stellt Maschinen für die Chipindustrie her, hatte zuletzt aber unter verzögerten Aufträgen, Preisdruck und hohen Entwicklungskosten zu leiden. Die Rheinländer schrieben Verluste und rechnen auch im laufenden Jahr noch mit roten Zahlen. Das Management hatte die Annahme der Offerte empfohlen.

WIRTSCHAFTSMINISTER POCHT AUF MEHR STAATLICHE KONTROLLE

Hinter den chinesischen Bietern stehen nach Informationen aus Branchenkreisen staatlich kontrollierte Fonds. Chinesische Investoren greifen derzeit verstärkt nach deutschen Mittelständlern und Technologieunternehmen - für Aufsehen hatte insbesondere die Übernahme des Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea gesorgt. Letztlich hatte Bundeswirtschaftsminister Gabriel den Weg für die Übernahme freigemacht und auf eine vertiefte Prüfung verzichtet.

Allerdings pocht Gabriel seit Monaten auf stärkere politische Einflussnahme gegen unerwünschte ausländische Investoren als derzeit im Außenwirtschaftsgesetz (AWG) vorgesehen. Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnen dagegen vor Abschottung. "Kein anderes Land ist so sehr von freien Märkten abhängig wie Deutschland", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer dem "Handelsblatt" (Montag).

BRANCHENEXPERTEN ZWEIFELN

Unklar blieb am Montag zunächst auch, auf welcher Grundlage das Bundeswirtschaftsministerium die Prüfung der angedachten Übernahme wieder aufnimmt. Ob das Ministerium insbesondere sicherheitsrelevante Aspekte einer ausländischen Unternehmensübernahme unter die Lupe nehmen will, dazu wollte ein Sprecher des Ministeriums keine Angaben machen.

Unter Branchenexperten wachsen nun die Zweifel, ob die zustimmungspflichtigen Behörden den chinesischen Kauf freigeben. Es sei unklar, ob das deutsche Ministerium neue Erkenntnisse habe, die zu einer Wiederaufnahme des Prüfverfahrens geführt hätten, erklärte DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer. Bislang hätten sich seine Bedenken lediglich um die US-Finanzinvestitionsbehörde (CFIUS) gedreht und ob diese der Übernahme vor dem Hintergrund des Technologie-Transfers nach China zustimmen werde.

Im Januar hatte die US-Behörde beim geplanten Verkauf der Philips-Sparte Lumileds nach China wegen Sicherheitsbedenken geblockt - der niederländische Elektronikkonzern sitzt bis heute auf seinem Geschäft mit LED- und Autolichtkomponenten./men/ajx/jha/fbr