ROUNDUP 2: Türkische Wirtschaft gerät nach 'Ramsch'-Rating weiter unter Druck

Montag, 26.09.2016 14:23 von

(Kurse aktualisiert und Reaktion der Börse in Istanbul)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die türkische Wirtschaft gerät nach dem gescheiterten Militärputsch und dem harten Durchgreifen der Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan zusehends in Bedrängnis. Mit Moody's (Moody's Aktie) hat erneut eine der führenden Agenturen den Daumen über dem wichtigen Schwellenland gesenkt und die Kreditwürdigkeit in den "Ramschbereich" abgestuft. An den Finanzmärkten reagierten die türkische Lira und die Staatsanleihen des Landes mit zum Teil deutlichen Verlusten auf die Entscheidung.

Am frühen Nachmittag wurde ein US-Dollar zu einem Kurs von 2,9845 Lira gehandelt, nachdem er am Morgen zeitweise 2,9989 Lira gekostet hatte. Vor der Abstufung durch Moody's am späten Freitagabend mussten für einen Dollar (Dollarkurs) unter 2,95 Lira gezahlt werden. Einen herben Dämpfer gab es an der Aktienbörse in Instanbul. Hier ging es mit dem Leitindex bis zuletzt mehr als 4 Prozent nach unten.

Moody's hatte die Kreditwürdigkeit der Türkei um eine Stufe auf "Ba1" abgestuft und das Rating damit in den sogenannten "Ramschbereich" gesenkt, mit dem riskante Anlagen gekennzeichnet werden. Als Begründung für die Abstufung hatte Moody's unter anderem das langsamere Wirtschaftswachstum des Landes und das weiterhin schlechte Investitionsklima genannt. Außerdem bestehe ein erhöhtes Risiko, dass sich ausländisches Kapital zurückziehen könne und sich die Rücklagen des Landes schnell reduziert würden.

Zuletzt kam es zu einem spürbaren Rückgang bei den für die Türkei wichtigen Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft. Neben den Folgen des Militärputsches hatten Terroranschläge und ein russisches Embargo die Geschäfte mit den Urlaubern belastet. Viele Hotelbetten blieben zuletzt leer.

Die türkische Wirtschaft hatte bereits vor dem Militärputsch an Schwung verloren. Die Wirtschaftsleistung war im zweiten Quartal nur noch um etwa drei Prozent gewachsen, nachdem sie in den Quartalen zuvor jeweils um mehr als vier Prozent gewachsen war.

Bereits im Juli war die Kreditwürdigkeit der Türkei durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) kurz nach dem gescheiterten Militärputsch auf "BB" gesenkt worden und damit eine Stufe tiefer in den Ramschbereich. Damals war der Wert der Lira im Handel mit dem US-Dollar zeitweise auf ein Rekordtief von 3,0973 Lira zu einem Dollar gefallen. Nur noch die dritte große Ratingagentur Fitch gibt der Türkei eine Kreditbewertung, die im Bereich der sicheren Anlagen liegt.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim kritisierte die Herabstufung durch Moody's vom späten Freitag. Die Regierung glaube nicht, dass solche Bewertungen der Ratingagenturen auf einer neutralen Grundlage beruhten, sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Stattdessen gehe es darum, die türkische Wirtschaft in ein schlechtes Licht zu rücken.

Neben der Landeswährung gerieten auch türkische Staatsanleihen zum Auftakt der neuen Handelswoche unter Druck. Hier zeigte sich zum Wochenauftakt eine ähnliche Reaktion wie am Devisenmarkt. Bei den in US-Dollar gehandelten Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren kam es zu starken Kursverlusten. Im Gegenzug stieg die Rendite um 0,19 Prozentpunkte auf 4,40 Prozent. Bei den in der Landeswährung ausgegebenen Anleihen legte die Rendite in der zehnjährigen Laufzeit um 0,29 Prozentpunkte auf 9,56 Prozent zu./jkr/cy/das/tos