ROUNDUP 2: Regierung kickt KPMG raus - Drei Bieter für den Hahn noch im Rennen

Montag, 21.11.2016 14:17 von

MAINZ (dpa-AFX) - Rheinland-Pfalz geht ohne die Beratungsgesellschaft KPMG in die letzte Runde der Verhandlungen über einen Verkauf des Flughafens Hahn. Von den drei dafür ausgewählten Bietern soll einer übrig bleiben, mit dem möglichst im Januar ein Vertrag unterzeichnet werden soll. Nicht länger beteiligt ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die den geplatzten Deal mit der chinesischen Firma SYT betreut hatte, wie das Innenministerium am Montag in Mainz mitteilte.

"Wir haben den Streit dadurch beendet, dass eine Honorarregelung gefunden wurde, die unseren Vorstellungen sehr entspricht", sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD). Damit ist nach seinen Angaben auch die nach der SYT-Pleite angekündigte Prüfung von Schadenersatzansprüchen vom Tisch. Zur Höhe des Honorars machte Lewentz keine Angaben.

Die Vereinbarung zum Ende der Zusammenarbeit wegen "unterschiedlicher Auffassungen" der von KPMG erbrachten Leistungen sei dem Landtag mitgeteilt worden, sagte Lewentz mit Blick auf die Kontrollfunktion des Parlaments für alle Ausgaben des Landes. In der CDU stieß die Entscheidung auf Kritik. "Statt selbst Verantwortung für das Scheitern des ersten Verkaufsverfahrens zu übernehmen, macht man mit dem Rauswurf von KPMG die Berater nun endgültig zum Sündenbock", sagte der Abgeordnete Alexander Licht. Dabei habe KPMG deutlich vor dem unseriösen Bieter SYT gewarnt.

Federführend für den weiteren Verkaufsprozess ist jetzt die im Juli zunächst ergänzend zu KPMG beauftragte Beratungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. In den vergangenen Wochen seien die Angebote von sechs Kaufinteressenten genau geprüft worden, sagte Warth-&-Klein-Berater Martin Jonas. Dabei habe sich ein eindeutiges Bild der drei Bestbietenden ergeben. Ihre Namen sollen mit Rücksicht auf die Verkaufsverhandlungen vertraulich bleiben.

"Der Flughafen macht Verluste, die Ausgangssituation ist sehr schwierig", dämpfte Jonas die Erwartungen. Aber "die Bieter bringen Ideen mit. Sie bringen, nach dem ersten Eindruck, auch Geld mit." Mit Kooperationspartnern in der Luftverkehrsbranche verfolgen die Bieter nach Angaben von Jonas die Strategie, den Flugbetrieb trotz der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen fortzuführen.

Am Montag tagte in Mainz auch der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FFHG, um die angespannte Kassenlage des Unternehmens in den Blick zu nehmen. Für Mitte Dezember und voraussichtlich Anfang Februar werde mit den ersten beiden Zahlungen aus einem Gesellschafterdarlehen des Landes gerechnet, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Salvatore Barbaro. Mit den Zahlungen von jeweils ein bis eineinhalb Millionen Euro solle eine Zahlungsfähigkeit von rund vier Millionen Euro gewährleistet werden.

Dieser Betrag setzt sich nach Angaben von Staatssekretär Barbaro aus den Kosten für zwei Gehaltsrunden und einem Puffer von einer Million zusammen. Die Kosten der Flughafengesellschaft FFHG überschreiten die Erträge in diesem Jahr um rund 18 Millionen Euro. Das bereitstehende Gesellschafterdarlehen hat einen Umfang von insgesamt 34 Millionen Euro. Voraussetzung für die Auszahlung ist eine positive Fortführungsprognose des Betriebs. Diese ergebe sich aus der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs der Verkaufsverhandlungen, sagte Barbaro./pz/DP/she