ROUNDUP 2: Microsoft will intensiven Dialog zum Cloud-Computing anstoßen

Mittwoch, 05.10.2016 15:38 von

BERLIN (dpa-AFX) - Microsoft (Microsoft Aktie) will die Diskussion um die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen durch die Digitalisierung in Deutschland mitgestalten. Dafür hat der Softwarekonzern am Mittwoch in Berlin eine Denkschrift für Wirtschaft und Politik vorgestellt. Konkrete Handlungs-Empfehlungen sollen dabei einen sicheren Weg in die Cloud aufzeigen. "Cloud Computing bietet die Antwort auf einige der größten Herausforderungen in der Welt", sagte Brad Smith, Chef-Justiziar von Microsoft. "Doch wie so oft bei technologischem Fortschritt ergeben sich auch viele Fragen für die Gesellschaft." Dafür brauche es "ein ausgewogenes Paket aus politischen und technologischen Lösungen".

Cloud-Dienste gelten in Wirtschaft und Politik als das Fundament für die digitale Transformation. In Deutschland hat die Nutzung solcher Dienste dem Digitalverband Bitkom zufolge im vergangenen Jahr erheblich zugenommen. Dennoch blieben Sicherheitsbedenken die größten Hürden für die Unternehmen.

Seit September bietet Microsoft seinen Kunden Cloud-Services in Deutschland an, bei denen die Deutsche-Telekom-Tochter T-Systems als Datentreuhänder fungiert. In zwei Rechenzentren in Frankfurt und bei Magdeburg werden dabei die Daten der Kunden gespeichert und über sichere, vom Internet unabhängige Netzwerke transportiert. Microsoft selbst hat keinen Zugriff auf die Daten. Microsoft wolle den Kunden die Wahl lassen, wie sie die Cloud nutzen wollten, sagte Smith. Es gebe großes Interesse für das Modell, in etwa einem Jahr werde sich zeigen, wie erfolgreich es angenommen wird.

Das Rechenzentrum in Biere bei Magdeburg wird aktuell erweitert. Mit zusätzlichen Modulen soll die Cloud-Kapazität erheblich ausgebaut werden. Das erste Zentrum sei bereits komplett ausgelastet, sagte Telekom-Chef Timotheus Höttges in Berlin.

Höttges verglich Cloud-Lösungen mit einem Schweizer Taschenmesser. "Das ist auch nicht nur dafür da, einen Apfel zu schälen." Auch die Cloud könne weitaus mehr als E-Mails und Daten zu speichern. "Die Cloud ist der Motor der Digitalisierung", sagte Höttges. Während Deutschland die erste Hälfte der Digitalisierung "krachend verloren" habe, gebe es in der zweiten Hälfte nun "enorme Chancen" für die Wertschöpfung.

Besonders in Deutschland gebe es viele Industrien, die aktuell weltweit führend seien, sagte Smith. Die digitale Transformation könne wesentlich dazu beitragen, dass diese Branchen wie etwa die Automobilindustrie oder Biologie auch künftig ihre Führungsstärke behaupten.

In Europa habe Microsoft insgesamt drei Milliarden Dollar (Dollarkurs) für den Aufbau von Cloud-Infrastrukturen investiert und die Kapazitäten damit verdoppelt, sagte in Berlin Microsoft-Chef Satya Nadella. Damit wolle man der wachsende Nachfrage von Kunden und Partnern nach öffentlichen Cloud-Diensten entgegenkommen, die auch den besonders strengen Anforderungen an Daten-Souveränität in Europa genügten.

Vertrauen, Verantwortung und Teilhabe macht Microsoft in seiner Denkschrift als die entscheidenden Grundpfeiler für die Akzeptanz von Cloud-Diensten aus. Das Papier soll eine Grundlage für Diskussionen über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen von Cloud Computing bieten. Die Handlungsempfehlungen wurden unter anderem mit Rechtsexperten sowie Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen erarbeitet.

Für den transatlantischen Austausch von Daten sei etwa der neue Privacy Shield von großer Bedeutung, betonte Smith. Microsoft sei das erste Unternehmen, das sich für den Schutzschild zum Datentransfer habe registrieren lassen. "Darauf sind wir sehr stolz". Inzwischen nähmen Tausende Unternehmen daran Teil. "Wir brauchen für die Technologie des 21. Jahrhunderts einen Rechtsrahmen des 21. Jahrhunderts."

Vielen Datenschützern in Europa geht die Übereinkunft, die im August die Safe-Harbor-Vereinbarung abgelöst hatte, allerdings nicht weit genug. Es sei aber ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, um in Europa mehr Vertrauen zu schaffen, sagte Smith./gri/DP/stw