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ROUNDUP 2: Kosten für Italcementi drücken auf HeidelbergCement-Gewinn

Mittwoch, 09.11.2016 12:37 von

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HEIDELBERG (dpa-AFX) - Die Kosten für die Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi haben beim Baustoffkonzern HeidelbergCement (Heidelberg Cement Aktie) im dritten Quartal auf das Nettoergebnis gedrückt. Der Gewinn nach Minderheiten ging um 29 Prozent auf 339 Millionen Euro zurück, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Mittwoch in Heidelberg mit. Die Sonderaufwendungen für die Übernahme hätten bei 63 Millionen Euro gelegen. Die Nettoverschuldung stieg wegen der Zahlung des Kaufpreises und der übernommenen Schulden von Italcementi um 2,9 Milliarden Euro Ende September auf 8,9 Milliarden Euro.

Beim operativen Gewinn und bei den Erlösen machte sich der Zukauf dagegen positiv bemerkbar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte von Juli bis September um 17 Prozent auf eine Milliarde Euro zu. Damit verfehlte das Unternehmen leicht die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz sprang dank Italcementi um 25 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro hoch. Auf vergleichbarer Basis allerdings legte HeidelbergCement beim operativen Gewinn nur um ein Prozent zu. Der Umsatz verharrte auf dem Niveau des Vorjahres. Zum ersten Mal fließt der erst jüngst übernommene Konkurrent Italcementi in die Bilanz der Heidelberger ein.

Das dritte Quartal habe sich schwächer entwickelt als die ersten beiden, sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele bei einer Telefonkonferenz. Während die Geschäfte für HeidelbergCement vor allem in Deutschland wegen des Booms im Wohnungsbau und in der Infrastrukutur besser liefen, belasteten etwa schlechte Wetterbedingungen in Texas und Teilen von Kalifornien das Nordamerika-Geschäft.

Die Aktien von HeidelbergCement konnten die schwächere Quartalsbilanz abschütteln. So bemängelte Analyst Phil Roseberg von Bernstein Research zwar "enttäuschende Resultate", hob aber gleichzeitig den beibehaltenen Jahresausblick sowie die fortschreitende Integration von Italcementi positiv hervor. Die Papiere gewannen bis zum Mittag 1,33 Prozent auf 89,40 Euro und gehörten damit zu den besten Dax-Werten. Allein seit Anfang Juli hat die Aktie rund ein Drittel an Wert zugelegt. Sie kostet mittlerweile so viel seit seit Mitte 2008 nicht mehr.

"Mit der Übernahme von Italcementi hat HeidelbergCement einen großen Wachstumssprung vollzogen und ist nun die klare Nummer zwei in der Baustoffbranche", sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele. HeidelbergCement hatte die Übernahme des italienischen Rivalen Italcementi im vergangenen Jahr angeschoben. Insgesamt lag das Gebot bei 3,7 Milliarden Euro. Die Deutschen wollen mit dem Deal den Abstand zum Marktführer LafargeHolcim (LafargeHolcim Aktie) verkürzen.

Die Integration von Italcementi kommt Scheifele zufolge schneller voran als erwartet. "Wir sind sehr zuversichtlich, die identifizierten Synergien in Höhe von 400 Millionen Euro zu übertreffen", sagte er. Bereits im laufenden Jahr rechnet HeidelbergCement mit Einsparungen in Höhe von rund 135 Millionen Euro. Unter anderem seien in den Ländern Hauptverwaltungen geschlossen worden, in denen es mehr als eine gab.

Bis Ende Oktober seien bereits mehr als 1300 Stellen abgebaut, hieß es weiter. Ursprünglich wollte HeidelbergCement bis Ende 2016 knapp 500 Stellen streichen. Nun sollen es rund 1500 werden. Insgesamt seien mindestens 2500 Arbeitsplätze vom Umbau betroffen. Zudem startete HeidelbergCement zwei neue Sparprogramme. So will das Unternehmen im Bereich Transportbeton etwa mit Hilfe einer besseren Logistik die Margen innerhalb von drei Jahren um 120 Millionen Euro verbessern.

Nach der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten rechnet Scheifele zunächst mit einer erheblichen Unsicherheit. "Wir werden erst einmal 2017 wirtschaftlich eine Bremsspur in den USA sehen", sagte er. Der HeidelbergCement-Chef erwartet, dass sich die großen Unternehmen erst einmal mit Engagements zurückhalten werden. Sie dürften abwarten, was mit den Handelsabkommen wie etwa mit Mexiko und China passiert. "Wir müssen aber stark trennen zwischen kurz- und mittelfristigen Auswirkungen", fügte Scheifele hinzu. Mittelfristig dürfte Trump mehr in die Infrastruktur investieren.

Die Ziele inklusive Italcementi für das laufende Jahr bestätigte das Unternehmen. Allerdings werde es nach der Wahl von Trump herausfordernder, die Ziele zu erreichen, sagte Scheifele. Der Konzern macht ein Fünftel seines Umsatzes im US-Geschäft. Für das laufende Jahr rechnet HeidelbergCement bislang beim Ebitda, operativen Gewinn sowie bereinigten Nettogewinn mit einem hohen einstelligen bis zweistelligen prozentualem Zuwachs. Der Umsatz soll im einstelligen Prozentbereich zulegen. Bei den Prognosen rechnet das Unternehmen etwa Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte heraus./mne/hoe/stb