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ROUNDUP 2: Ernüchterung bei RWE-Tochter Innogy - Gewinn gesunken

Freitag, 11.11.2016 13:01 von

(Neu: Kursentwicklung, US-Wahl und britisches Geschäft)

ESSEN (dpa-AFX) - Gut einen Monat nach dem gefeierten Börsengang der RWE-Ökostromtochter Innogy ist die Euphorie verflogen. Ein Gewinnrückgang und eine vorsichtige Prognose sorgten am Freitag für Ernüchterung unter Anlegern. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) schmolz in den ersten neun Monaten um 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,9 Milliarden Euro.

Finanzvorstand Bernhard Günther betonte zwar, dass die Geschäftsentwicklung "exakt" die eigenen Erwartungen bestätige. Dem Aktienkurs half das kaum. Das Papier setzte den von der US-Wahl ausgelösten Kursverfall am Freitag fort und verlor bis zum Mittag rund 5 Prozent an Wert. Seit dem letztlich 4,6 Milliarden Euro schweren Börsengang Anfang Oktober - der größte in Deutschland seit gut 16 Jahren - hat Innogy rund 13 Prozent eingebüßt.

ERSTE PROGNOSE FÜR NETTOGEWINN

Unter dem Strich stand nach den ersten neun Monaten ein Überschuss von rund einer Milliarde Euro. Das sind fast 30 Prozent weniger als vor einem Jahr. Allerdings sind die Werte infolge der gerade erst abgeschlossenen Abspaltung vom Mutterkonzern RWE (RWE Vz Aktie) kaum vergleichbar, weil sie den Angaben zufolge auf noch ganz unterschiedlichen Kapitalstrukturen basieren.

Den für die Dividendenberechnung wichtigen um Sondereffekte bereinigten Nettogewinn gab Innogy mit 671 Millionen Euro an. Hier verzichtet das Unternehmen auf einen Vergleich mit dem Vorjahr, dafür gibt es für diesen Wert nun erstmals auch eine Prognose für das Gesamtjahr: So erwartet Innogy einen bereinigten Überschuss von 1,1 Milliarden Euro. Analysten hatten einen optimistischeren Ausblick erwartet.

INNOGY VERSPRICHT HOHE AUSSCHÜTTUNG

Vom bereinigten Überschuss sollen 70 bis 80 Prozent als Dividende an die Aktionäre fließen. Hauptprofiteur der Ausschüttung ist der Mutterkonzern RWE, der auch nach dem Innogy-Börsengang noch 76,8 Prozent an der Tochter hält. Bei Innogy hat RWE sein Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt. Zur Großtochter sind gut 40 600 der zuletzt rund 59 000 RWE-Beschäftigten gewechselt.

Innogy führte den Gewinnrückgang vor allem auf höhere Kosten für die Instandhaltung der Energienetze zurück. Zudem hatten im vergangenen Jahr ein positiver Bewertungseffekt bei der slowakischen Tochter und ein Verkaufserlös im Offshore-Geschäft für Sondererträge gesorgt. Auch die gesunkenen Strompreise belasteten die Ökostromerlöse dort, wo die Vergütung nicht durch feste Tarife garantiert ist.

KUNDENSCHWUND IN GROSSBRITANNIEN GESTOPPT

Fortschritte sieht das Management im britischen Geschäft, das seinen Verlust begrenzte. Bei der Tochter Npower hatte eine misslungene Umstellung eines Computerprogramms für Abrechnungen zu einem massiven Kundenverlust geführt. Im Sommerquartal habe Npower den Trend umkehren können und rund 100 000 Kunden gewonnen, sagte Günther. Damit habe die Sparte wieder rund fünf Millionen Strom- und Gasabnehmer.

Den Kursrutsch der Aktie erklärte Günther unter anderem mit dem Anstieg der Renditen bei Staatsanleihen seit der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten. Das könnte Investoren, die auf der Suche nach als sicher geltenden Anlagen zuletzt lange auch auf Aktien von Stromnetzbetreibern mit ihren gut zu kalkulierenden Erträgen setzten, zum Umschichten animiert haben.

VORSICHTIGER EINSTIEG IN DEN USA

"Die Sektkorken haben bei uns nach der Wahl sicher nicht geknallt", sagte Günther. Die Pläne von Innogy sehen unter anderem einen Einstieg in das Ökostromgeschäft in den USA vor. Bislang hat das Unternehmen aber lediglich ein Planungsbüro in Chicago. "Wir werden mit Augenmaß vorangehen", sagte Günther. Trump gilt als Gegner eines stärkeren Ausbaus der erneuerbaren Energien.

Der Mutterkonzern RWE legt an diesem Montag (14. November) seine Neunmonatsbilanz vor. Analysten erwarten, dass sich der Abwärtstrend auch nach der Neuausrichtung fortgesetzt hat. Hauptgrund ist der Verfall der Strompreise im Großhandel, der immer stärker die Ergebnisse der Kraftwerkssparte belastet. Zudem war die Handelssparte im zweiten Quartal wegen misslungener Geschäfte in die roten Zahlen gerutscht. Das Innogy-Ergebnis wird weiter voll in den Bilanzen von RWE auftauchen./enl/jha/stb