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ROUNDUP 2: Eon-Abspaltung Uniper vor harten Einsparungen - Milliardenverlust

Dienstag, 22.11.2016 13:51 von

(neu: Aussagen zum Stellenabbau bei Führungskräften, Gasspeicher und Schulden, Aktienkurs)

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Kurz nach ihrem Börsengang steht die Eon-Abspaltung Uniper angesichts eines weiteren Milliardenverlusts vor weiteren Einschnitten. Bis 2018 will der Konzern seine Kosten von 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 1,9 Milliarden Euro drücken, wie der abgespaltene Teil des Energiekonzerns Eon am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Rund die Hälfte der Kürzungen soll bereits bis zum Ende des Jahres greifen.

Zu den Einsparungen trägt unter anderem die Stilllegung nicht mehr rentabler Kraftwerke bei. Der Schwerpunkt der weiteren Kürzungen werde in Deutschland liegen, sagte Vorstandschef Klaus Schäfer. So stelle der Konzern einige Erdgasspeicher auf den Prüfstand. Weitere Einschnitte plant Uniper vor allem in der Verwaltung. Rund ein Viertel der Führungskräfte soll gehen. Auch im operativen Geschäft wie der Wasserkraft, der Kernenergie in Schweden und im Servicebereich will der Vorstand den Rotstift ansetzen.

AKTIE LEGT KRÄFTIG ZU

Das Unternehmen werde sich um sozialverträgliche Lösungen bemühen, dazu liefen Gespräche mit dem Betriebsrat, sagte Schäfer. "Uniper arbeitet seine Hausaufgaben zur nachhaltigen Verbesserung seiner Kosten- und Cash-Situation konsequent und zügig ab. Dies ist für uns unerlässlich, um bis Ende 2017 ausreichend finanzielle Spielräume zu haben und auch bei rauem Gegenwind seitens der Märkte gut und sicher navigieren zu können." Bei Uniper arbeiten rund 13 000 Beschäftigte in 40 Ländern. Wie viele davon übrig bleiben, ließ Schäfer offen.

Bei Uniper hat Eon als Reaktion auf die Energiewende sein Geschäft mit Großkraftwerken sowie den Energiehandel abgespalten und im September gut 53 Prozent der Anteile an die Börse gebracht. Am Dienstag war die Uniper-Aktie nach einer branchenweiten Flaute infolge der US-Wahl wieder gefragt und legte bis zum frühen Nachmittag um gut vier Prozent zu. Seit dem Börsengang am 12. September haben die Papiere damit gut 18 Prozent an Wert gewonnen und stehen nun kurz vor dem Einzug in den MDax.

KRAFTWERKSGESCHÄFT BLEIBT SCHWACH

Derzeit steckt das Unternehmen trotz einzelner Lichtblicke im operativen Geschäft unter dem Strich tief in den roten Zahlen. In den ersten neun Monaten des Jahres stand dort ein Verlust von 4,2 Milliarden Euro. Für den Vergleichszeitraum 2015 wies Uniper ein Minus von 3,6 Milliarden Euro aus. Hauptgrund für den neuerlichen Fehlbetrag waren bereits zum Halbjahr vorgenommene Abschreibungen auf die Großkraftwerke.

Im operativen Geschäft erzielte Uniper hingegen Zuwächse. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 54 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Grund dafür ist vor allem ein Sondergewinn aus neu verhandelten Lieferverträgen mit dem russischen Gasriesen Gazprom (Gazprom ADR Aktie). Dagegen sackte der Gewinn in der Stromerzeugung wegen des heftigen Preisverfalls der vergangenen Jahre und des Ausfalls eines nach einem Unfall schwer beschädigten Kohlekraftwerks in Russland stark ab.

ERGEBNISANSTIEG IM GESAMTJAHR ERWARTET

Für das Gesamtjahr gab Uniper nun erstmals eine konkrete Prognose. So soll das Ebitda zwischen 1,9 und 2,2 Milliarden Euro landen. 2015 hatte der Konzern hier pro forma rund 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet, 2014 waren es rund zwei Milliarden Euro. Der Vorstand bekräftigte sein Versprechen, 200 Millionen Euro in die Dividende zu stecken. Pro Aktie soll damit für dieses Jahr 55 Cent geben.

Künftig soll der Mittelzufluss aus dem Tagesgeschäft (operativer Cashflow) die entscheidende Größe für die Dividende sein. Dieser Wert verbesserte sich in den ersten neun Monaten um rund 30 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Dazu trugen vor allem deutliche Einschnitte bei den Investitionen bei. Dadurch senkte Uniper seine Schulden seit Jahresbeginn um fast eine Milliarde auf 3,7 Milliarden Euro. Im Schlussquartal dürften die Verbindlichkeiten aber wieder wachsen, weil etwa viele Investitionen erst dann abgerechnet werden, wie Finanzvorstand Christopher Delbrück sagte. Sie sollen aber deutlich unter dem Vorjahreswert bleiben.

VERKÄUFE WEITER GEPLANT

Drücken will der Vorstand die Schulden durch den Verkauf von Unternehmensteilen. Dieser soll nach früheren Angaben mindestens zwei Milliarden Euro einbringen. Welche Geschäftsteile verkauft werden könnten, ließ das Management weiterhin offen. Analysten spekulieren aber, dass etwa die Beteiligungen an Gasfeldern in Russland schnell zu Geld zu machen wären. Langfristig will Uniper seine Schulden auf nicht mehr als das Zweifache des Ebitda zurückfahren./enl/jsl/stw