ROUNDUP 2: Bank of England lässt Geldpolitik unverändert - künftiger Kurs offen

Donnerstag, 03.11.2016 14:47 von

(Neu: Aussagen von Notenbankchef Carney)

LONDON (dpa-AFX) - Die vom Brexit-Votum bislang unbeeindruckte Wirtschaft in Großbritannien hat den Währungshütern Gelegenheit für eine Verschnaufpause gegeben. Die Geldpolitik werde nicht weiter gelockert, teilte die Bank of England (BoE) am Donnerstag in London mit. Es sei aber viel zu früh, um über den Brexit ein Urteil zu fällen, sagte Notenbankchef Mark Carney bei einer Pressekonferenz. Der künftige Kurs der BoE ist noch völlig unklar.

Das derzeitige Ausmaß der geldpolitischen Lockerung sei angemessen, sagte Carney. Zuvor hatte die Notenbank mitgeteilt, dass der Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent verbleibt. Auch die Wertpapierkäufe werden demnach nicht aufgestockt. Experten hatten mit diesen Entscheidungen gerechnet. Das Britische Pfund legte nach der Bekanntgabe zu.

Die Beschlüsse seien einstimmig gefallen, hieß es von der Notenbank. Wenn sich an den wirtschaftlichen Aussichten etwas ändern werde, dann könne man in beide Richtungen reagieren. Sowohl eine künftige geldpolitische Lockerung als auch ein strafferer geldpolitischer Kurs sind also möglich. Man habe mit Blick auf die Zukunft eine neutrale Haltung, sagte Carney.

Zwar schloss der Notenbankchef weitere Zinssenkungen sowie eine Ausweitung der Wertpapierkäufe nicht aus. Aber: Schon im zweiten Quartal 2017 rechnen die Notenbanker mit einer Inflation von über zwei Prozent. Eine hohe Inflation spricht tendenziell gegen weitere geldpolitische Lockerungen. Es sei zwar angemessen, die Inflation zeitweise über das selbstgesetzte Ziel von zwei Prozent hinaus steigen zu lassen, so Carney. Aber es gebe dabei nur einen begrenzten Spielraum.

Aufgrund des schwachen Pfunds seit dem Brexit-Votum rechnen viele Experten mit einer steigenden Teuerungsrate in Großbritannien. Denn je schwächer das Pfund ist, desto teurer werden aus dem Ausland importierte Güter aus Sicht der Briten. Die BoE stellt diese Situation vor ein Dilemma: Einerseits könnte es nötig werden, künftige negative Auswirkungen des Brexit auf die britische Wirtschaft durch geldpolitische Lockerungen abzufedern. Andererseits würde die Notenbank das Pfund dadurch noch weiter unter Druck setzen und so die Inflation anheizen.

Kurz nach dem Votum der Briten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hatte die BoE dennoch zur Stützung der britischen Konjunktur ihren Leitzins von 0,5 auf 0,25 Prozent reduziert, den Kauf zusätzlicher Staats- und Unternehmensanleihen eingeleitet sowie ein neues Programm zur Belebung der Kreditvergabe aufgelegt.

Für eine weitere geldpolitische Lockerung gab es aus Sicht vieler Experten aber aktuell keinen Anlass, denn die britische Wirtschaft zeigte sich im dritten Quartal mit einem Wachstum um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal vom Brexit-Votum vorerst unbeeindruckt./tos/bgf/stb