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ROUNDUP 2: Air France-KLM plant neue Langstrecken-Tochter - Schub für Transavia

Donnerstag, 03.11.2016 15:17 von

(Neu: Aussagen zum Start der neuen Tochter, Business Class, Aktienkurs)

PARIS (dpa-AFX) - Die Fluggesellschaft Air France-KLM will mit einer neuen Langstrecken-Tochter arabischen Konkurrentinnen wie Emirates Paroli bieten. Die neue Gesellschaft soll in Frankreich parallel zu Air France antreten und den Konzern wieder in die Lage versetzen, in umkämpften Märkten neue Verbindungen anzubieten. "Der Status quo ist keine Option", sagte der neue Unternehmenschef Jean-Marc Janaillac am Donnerstag in Paris. "Wir müssen eine neue Dynamik entwickeln, um auf unseren Märkten wieder in eine Führungsposition zu kommen."

Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten nach anfänglichen Kursverlusten positiv aufgenommen. Bis zum Nachmittag gewannen die Aktien von Air France-KLM in Paris fast fünf Prozent an Wert.

Den reinen Punkt-zu-Punkt-Verkehr will Janaillac künftig allein der Billigtochter Transavia und der Regionaltochter Hop! überlassen - ähnlich wie es die Lufthansa (Lufthansa Aktie) mit ihrer Billigtochter Eurowings vorgemacht hat. Air France und KLM sollen sich auf den Verkehr an den Drehkreuzen Paris und Amsterdam konzentrieren. Ähnlich absolviert die Lufthansa ihre Europaflüge abseits von Frankfurt und München unter ihrer Billigmarke Eurowings. Diese soll aufgrund niedrigerer Gehälter und Betriebskosten im Wettbewerb mit anderen Billigheimern wie Ryanair und Easyjet bestehen.

Die noch namenlose neue Fluggesellschaft soll bis 2020 zehn Flugzeuge betreiben und "sobald wie möglich" starten. Sie ist Teil eines neuen, umfangreicheren Zukunftsplans, mit der der neue Konzernchef die französisch-niederländische Fluggesellschaft bis Ende des Jahrzehnts gegen die Konkurrenz von Billigfliegern wie Ryanair und aggressiv wachsende Fluglinien aus dem Nahen Osten rüsten will. Damit riskiert der Manager weiteren Streit mit den Gewerkschaften. Diese hatten sich in der Vergangenheit mit heftigen Streiks gegen Umstrukturierungen gewehrt - etwa gegen den Ausbau der Billigtochter Transavia.

Janaillac will den Konzern nun im Langstreckengeschäft wieder in die Offensive bringen, nachdem das Unternehmen in diesem Bereich zuletzt Marktanteile verloren hatte. Die neue Tochter will er vor allem in Märkten mit besonders hartem Wettbewerb einsetzen. Dies gilt auch für Strecken, auf denen Air France bisher Verluste einfliegt oder von denen sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren zurückgezogen hat. Rund 30 Prozent ihres Geschäfts soll die neue Fluglinie auf neu eröffneten Routen erzielen.

Dabei soll sie nach dem Willen des Managements ausdrücklich nicht als Billigfluggesellschaft antreten. Der Konzern stellte ein "einfaches, modernes und innovatives Angebot" in Aussicht das in etwa mit den Standards von Air France vergleich bar sein soll - so ist auch eine Business Class mit Liegeplätzen vorgesehen. Im Cockpit sollen Piloten von Air France sitzen. Deren Arbeitsbedingungen will Janaillac aber an das Wettbewerbsumfeld anpassen. Auch Bedingungen für die Flugbegleiter will er vom Niveau der einstigen Staatsfluglinie Air France abkoppeln.

Insgesamt peilt Janaillac auf der Langstrecke bis 2020 ein profitables jährliches Wachstum von zwei und drei Prozent an. Dann soll der Konzern auf 100 Millionen Fluggäste kommen - das wäre gut ein Viertel mehr als die 79 Millionen aus dem vergangenen Jahr.

Im Sommer machte Air France-KLM die Terrorangst in Europa weiter zu schaffen. Weil die Ticketpreise weiter sanken, fiel der Umsatz im dritten Quartal mit 6,9 Milliarden Euro um fünf Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Der operative Gewinn fiel trotz deutlich billigeren Treibstoffs um 15 Prozent auf 745 Millionen Euro. Der Überschuss stieg hingegen um 13 Prozent auf 544 Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor Abschreibungen und ungünstige Währungskurse das Ergebnis belastet hatten./stw/sku/stb