Top-Thema

24.11.17
ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Freundlich - S&P 500 endet erstmals über 2600

Rohstoffe: Sichere Anlage oder riskantes Investment?

Mittwoch, 23.08.2017 11:00 von Svenja Thiel

Gold ist ein Rohstoff, der auch physisch gehandelt werden kann.
Gold ist ein Rohstoff, der auch physisch gehandelt werden kann. - © istock.com / farakos
Die Nachfrage nach Rohstoffen steigt – und damit auch die Preise. Das Interesse an Rohstoffinvestments nimmt ebenfalls immer weiter zu. Dabei gibt es bei einer Anlage in Rohstoffe einiges zu beachten.

Rohstoffe sind begehrt und das nicht nur in der Industrie, sondern auch bei Anlegern. Die Aussicht auf einen „sicheren Hafen“ in Krisenzeiten und hohe Gewinne bei steigenden Preisen lockt viele Anleger in ein Rohstoffinvestment. Doch einfach ist der Handel mit Rohstoffen nicht. Zwar kann sich so ziemlich jeder etwas unter den gehandelten Rohstoffen, wie zum Beispiel Gold oder Öl, vorstellen, doch der Börsenhandel mit Rohstoffen ist komplex und birgt einige Risiken. Deshalb ist ein Rohstoffinvestment nicht für jeden Anleger geeignet.

Welche Rohstoffe werden gehandelt?

Bei Rohstoffen handelt es sich um die natürlichen Ressourcen der Erde. Zuletzt haben Rohstoffe immer mehr an Bedeutung gewonnen. Nicht nur in Industrie, Infrastruktur und Forschung erfreuen sie sich größerer Beliebtheit, auch Anleger setzen auf Rohstoffe. Der Markt lässt sich in vier verschiedene Rohstoff-Gruppen unterteilen: Edelmetalle, Industriemetalle, Energieträger und Agrarrohstoffe. Die bekanntesten Rohstoffe im Bereich der Edelmetalle sind wohl Gold und Silber und im Bereich der Energieträger Öl und Gas. In die Kategorie der Industriemetalle fallen beispielsweise Kupfer, Aluminium, Nickel oder Blei. Agrarrohstoffen sind Nahrungsmittel, beispielsweise Mais, Weizen, Zucker und Kaffee, und Rohstoffe wie Holz und Baumwolle zuzuordnen. Der Handel mit Agrarrohstoffen, insbesondere bei Lebensmitteln, ist jedoch ethisch und moralisch umstritten, da Lebensmittelspekulationen die Preise treiben und damit die Versorgung ärmerer Länder beeinträchtigen können.

Wie werden Rohstoffe an der Börse gehandelt?

Für ein physisches Investment eigenen sich die wenigsten Rohstoffe, deshalb werden sie meistens über Aktien, Fonds oder Zertifikate gehandelt. Ein Sonderfall ist allerdings zum Beispiel Gold, das Anleger auch physisch durch den Kauf von Goldbarren und Münzen erwerben können. Anleger können auf verschiedene Weise, direkt oder indirekt, in Rohstoffe investieren. Das sind die gängigsten Anlageformen bei Rohstoffen:

  • Terminkontrakte: Diese werden auch Futures genannt und sind eine börsengehandelte Form des Termingeschäfts. Sie gelten als hochspekulativ.

  • Zertifikate auf Rohstoffe: Es handelt sich dabei um Schuldverschreibungen, deren Werte sich an der Preisentwicklung eines bestimmten Rohstoffs orientieren.

  • ETCs: Exchange Traded Commodities, kurz ETCs, sind eine Sonderform des Zertifikats. Es handelt sich um Wertpapiere, die die Kursentwicklung des Basiswerts, in diesem Fall eines Rohstoffes, Rohstoff-Futures oder Indizes möglichst exakt abbilden.

  • Rohstoff-Aktien: Es handelt sich hierbei um einzelne Aktien von Unternehmen, die Rohstoffe fördern oder herstellen. Rohstofffonds bestehen aus mehreren Rohstoffaktien und dienen der Risikostreuung.

Die wichtigsten Handelsplätze für Rohstoffe sind die London Metal Exchange (LME), die Euronext, das Chicago Board of Trade (CBOT), die Chicago Mercantile Exchange (CME) sowie die New Yorker Intercontinental Exchange (ICE). Letztere umfasst auch das New York Board of Trade (NYBOT) und die New York Mercantile Exchange (NYMEX), einschließlich der New York Commodities Exchange (COMEX).

Vorteile und Risiken von Rohstoffinvestments

Rohstoffe sollen theoretisch als Inflationsschutz dienen, da sie nicht nach Belieben vermehrt werden können. Vor allem bei Sorgen um die Inflation gelten sie deshalb bei Anlegern als sicheres Investment. Hinzu kommt, dass Rohstoffe immer knapper werden und schwieriger zu fördern sind, Preissteigerungen sind die Folge. Die Weltbevölkerung wächst, Menschen in Schwellenländern konsumieren mehr, der Lebensstandard steigt und damit auch der Rohstoffbedarf. Die Industrieproduktion lässt zudem die Nachfrage nach speziellen Rohstoffen wie seltenen Erden steigen, die in Smartphones und anderen technischen Geräten verbaut sind. Anleger versprechen sich von einem Investment in Rohstoffe in der Regel attraktive Renditechancen und ein sinkendes Risiko in einem Gesamtportfolio.

Es gibt beim Investment in Rohstoffe allerdings Risiken, die Anleger nicht unterschätzen sollten. Vor allem Termingeschäfte, also Spekulationen auf zukünftige Preisentwicklungen, bergen dabei ein hohes Risiko. Bei Produkten ohne Laufzeit drohen Anlegern außerdem Rollverluste. Dies hängt damit zusammen, dass Zertifikate und ETCs nicht in die Rohstoffe selbst investieren, sondern in Rohstoff-Futures, die wiederum monatlich ausgetauscht werden müssen, da sie immer ein Laufzeitende haben. Bei diesem monatlichen „Rollen“ in einen neuen Kontrakt können allerdings Verluste entstehen. Im Fall von Zertifikaten kommt ein Emittenten-Risiko dazu: Sollte der Herausgeber eines Zertifikats Pleite gehen, ist dieses unter Umständen nichts mehr wert. Auch bei Rohstoffaktien gibt es ein Restrisiko zu beachten, denn nicht immer entwickeln sich die Aktien genauso wie die einzelnen Rohstoffpreise. Diese unterliegen zum Teil sehr starken Schwankungen, die das Nervenkostüm von Anlegern strapazieren können und von vielen verschiedenen Faktoren abhängig sind. Hier spielen nicht nur die vorhandenen Ressourcen, sondern auch Angebot und Nachfrage sowie politische Einflüsse eine Rolle. Zudem werden die meisten Rohstoffe in Dollar gehandelt, sodass Anleger auch den Wechselkurs berücksichtigen müssen. Darüber hinaus erwirtschaften Rohstoffe keine fortlaufende Rendite und es fallen auch keine Dividendenzahlungen für Anleger an.

Für wen eignet sich ein Rohstoffinvestment?

Steigende Rohstoffpreise haben viele verschiedene Ursachen. So sorgen neue technische Errungenschaften zum Beispiel dafür, dass die Nachfrage nach bestimmten Industriemetallen steigt. Auch die künstliche Drosselung der Verfügbarkeit kann zu Preisanstiegen führen, eine Strategie, die vor allem von der Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC, genutzt wird, um den Ölpreis zu beeinflussen.

Nicht nur bei privaten Investoren wecken Rohstoffinvestments Interesse, sondern auch bei institutionellen Investoren. Eine Anlage in Rohstoffe setzt allerdings eine kontinuierliche und intensive Beschäftigung mit dem Thema, Rohstoffzyklen und Schwankungen der Rohstoffmärkte voraus. Rohstoffinvestments eignen sich daher vor allem für erfahrene Anleger. Weniger erfahrene Investoren profitieren von einer solchen Anlage eher dann, wenn sie auf eine breite Risikostreuung setzen. Diese ist vor allem bei Rohstoffaktienfonds gegeben. Bei reinen Rohstofffonds müssen Anleger dagegen auf starke Kursschwankungen gefasst sein. Auch der im Rohstoffmarkt übliche Terminhandel bietet sich eher für erfahrene Anleger an, die mit der Materie vertraut sind und über das entsprechende Risikokapital verfügen. Index-Zertifikate oder ETCs eignen sich dagegen für mittel- und langfristig orientierte Anleger. Egal ob kurz- oder langfristig investiert, erfahren oder unerfahren: Bei einer erfolgreichen Geldanlage in Rohstoffe kommt es am Ende vor allem auf ein gutes Zusammenspiel aus dem richtigen Timing, dem richtigen Einzelrohstoff sowie der passenden Anlageform an.