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Pro Asyl: Abschiebungen nach Griechenland unverantwortlich

Sonntag, 04.09.2016 15:20 von

BERLIN (dpa-AFX) - Als unverantwortlich hat die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl die Forderung von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilt, Asylsuchende wieder nach Griechenland zurückzuschicken. "Die Situation in Griechenland ist desaströs", sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "Rund 50 000 Menschen sitzen in Griechenland fest, es gibt weder ein rechtsstaatliches Asylverfahren noch ausreichende Unterkünfte."

Burkhardt warf dem Innenminister durchsichtige Motive vor: "De Maizière will aus wahltaktischen Gründen den Druck erhöhen, um nach rechts eine harte Kante zu zeigen", sagte er. "Die Debatte, die hier losgetreten wird, ist entfernt von jeglicher Realität." Burkhardt erinnerte daran, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erst vor wenigen Tagen eingeräumt hatte, dass Deutschland die Flüchtlingskrise zu lange ignoriert und die damit zusammenhängenden Probleme den Staaten an den EU-Außengrenzen überlassen habe.

De Maizière hatte in der "Welt am Sonntag" angekündigt, er wolle Flüchtlinge künftig auch wieder nach Griechenland zurückschicken. Nötig sei aber eine gemeinsame europäische Haltung. Nach EU-Rechtssprechung dürfen Flüchtlinge aus anderen EU-Staaten wegen der schlechten Aufnahmebedingungen schon seit Jahren nicht mehr nach Griechenland zurückgeschickt werden./wn/DP/he