Platin steckt im Zuge der Rückgänge beim Goldpreis zurück

Dienstag, 20.09.2016 15:42 von

München (GodmodeTrader.de) – Platin kann sich den Verlusten beim Goldpreis nicht entziehen. Von seinem am 10. August bei 1.194 US-Dollar je Feinunze erreichten Anderthalbjahreshoch ist das Edelmetall derzeit bis auf knapp über 1.000 US-Dollar je Feinunze zurückgefallen. Platin notiert damit auf einem etwas höheren Niveau als Ende Juni (965 US-Dollar). Binnen Monatsfrist hat Platin etwas mehr als 8 Prozent abgegeben.

Solange der Goldpreis weiter unter Druck bleibt – weil einerseits die Anlegererwartungen bezüglich Gold bereits sehr hoch waren und die Anleger sich vor der Zinssitzung am 20. und 21. September bedeckt halten – dürfte sich auch Platin schwächer zeigen. Von der sehr preissensiblen asiatischen Schmucknachfrage kommen derzeit ebenfalls keine Impulse. Wie Gold ist deshalb auch Platin unter Druck. Auffällig ist die große Preisdifferenz zwischen Platin und Gold mit rund 300 US-Dollar je Unze – weiteste Spreizung seit Juni.

Dabei gibt es derzeit gute Gründe, dass der Platinpreis eigentlich steigen müsste: So droht in Südafrika weiterhin die Gefahr von Minenstreiks. Südafrika liefert zusammen mit Russland den weitaus größten Anteil der weltweiten Platinproduktion. In den jüngsten Verhandlungen über neue Tarifverträge in der südafrikanischen Platinindustrie hatten Produzenten und Gewerkschaft sich nicht zu einer Einigung durchringen können. Die Minengewerkschaft AMCU, größte Gewerkschaft der südafrikanischen Platinminenarbeiter, will eine Lohnerhöhung von 50 Prozent für die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter durchsetzen. Die Löhne für höher bezahlte Arbeiter sollen um 15 Prozent steigen. Weil sich die beiden Lager nicht einigen können, zeichnet sich die Wahrscheinlichkeit eines Streiks ab. Sollte es zum Streik kommen, dürfte sich der Platinpreis wegen des verknappten Angebots erhöhen. Dabei können Streiks in Südafrika lange dauern: Vor zwei Jahren wurde der Sektor ganze fünf Monate lang bestreikt.

Sollte Gold kurzfristig wieder steigen, könnte der daraus folgende Aufwärtstrend bei Platin durch einen Aspekt weiter verstärkt werden: Der jüngsten Einschätzung des World Platinum Investment Councils zufolge dürfte der Platinmarkt in diesem Jahr erneut ein Angebotsdefizit aufweisen, so die jüngste Prognose. Etwaige Streiks in Südafrika sind gar nicht mit eingerechnet. Trotz eines gestiegenen Angebots im zweiten Quartal korrigierten die Marktbeobachter ihre Defizitprognose für 2016 nach oben: Das World Platinum Investment Council ist zu dem Schluss gekommen, dass das Abbau-Angebot bis Ende des Jahres um drei Prozent sinken wird, während die Gesamtnachfrage geringfügig ansteigt. Für das Gesamtjahr 2016 erwarten die Experten daher ein Angebotsdefizit von 14,7 Tonnen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Jahresproduktion beträgt rund 160 Tonnen.