Patientenschützer: Alte Menschen bekommen zu viele Medikamente

Samstag, 01.10.2016 13:14 von

BERLIN (dpa-AFX) - Jeder vierte über 65-Jährige in Deutschland schluckt nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz zu viele Medikamente. "Und das Risiko verdoppelt sich mit der Pflegebedürftigkeit. Bei den 764 000 Pflegeheimbewohnern gehört der schädliche Medikamentencocktail zum Alltag", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

Vom diesem Samstag an (1. Oktober) hat jeder gesetzlich versicherte Patient, der drei oder mehr Arzneimittel einnehmen muss, Anspruch auf einen Medikationsplan durch einen Arzt oder Apotheker hat. Darin werden alle seine Arzneimittel mit Dosierungs- und Einnahmehinweisen übersichtlich und verständlich dokumentiert.

Brysch sagte weiter: "Fünf Medikamente gleichzeitig eingenommen, hilft oft nicht, sondern macht krank." Ein Cocktail mit mehreren Medikamenten könne sogar giftig wirken und zum Tode führen. Laut Gesundheitsministerium sind schätzungsweise rund 250 000 Klinikeinweisungen jährlich auf vermeidbare Medikationsfehler zurückzuführen.

Minister Hermann Gröhe (CDU) müsse kontrollieren, ob der Medikationsplan in der Praxis auch tatsächlich Wirkung zeige, sagte Brysch. Bleibt die Übermedikation der über 65-Jährigen unverändert hoch, dann müssen die 170 Millionen Euro jährlich den Ärzten wieder gestrichen werden.

Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans sollen durch den Arzt erfolgen, der den Patienten schwerpunktmäßig betreut. Das sind in der Regel Hausärzte. Bei Patienten, die keinen Hausarzt haben, muss diese Planung der Facharzt übernehmen. Apotheker sind den Angaben zufolge von Anfang an miteinbezogen und verpflichtet, den Plan auf Wunsch des Patienten zu aktualisieren, wenn sich die Medikation ändert.

Zunächst wird der Medikationsplan auf Papier ausgestellt. Von 2018 an soll er zusätzlich auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Nach Angaben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bekommen Ärzte für das Erstellen der Medikationspläne nächstes Jahr gut 160 Millionen Euro zusätzliches Honorar./rm/DP/zb