Nestlé vs. Südzucker: Kartell-Prozess beginnt in Mannheim

Dienstag, 20.09.2016 13:07 von

Der US-Sitz des Weltkonzerns Nestlé in Glendale.
Der US-Sitz des Weltkonzerns Nestlé in Glendale. - © Shutterstock.com / Ken Wolter
In Mannheim hat heute der Prozess gegen die Südzucker AG begonnen. Der vorsitzende Richter kündigt ein langjähriges Verfahren an.

Ab heute stehen sich vor dem Landgericht Mannheim der Lebensmittelriese Nestlé und die Südzucker AG gegenüber. Nestlé verlangt von den drei Zuckerproduzenten Südzucker, Nordzucker sowie Pfeifer & Langen Schadensersatz in Höhe von rund 50 Millionen Euro, nachdem in der Vergangenheit Preisabsprachen zwischen den Herstellern aufgedeckt worden waren. Weil außergerichtliche Einigungen gescheitert waren, hatten zahlreiche betroffene Unternehmen ihren Gang vor Gericht angekündigt (ARIVA.DE berichtete). Nestlé ist der prominenteste Konzern unter den 35 Klägern.

Vor Gericht droht eine Hängepartie

Beim heutigen Prozessauftakt kündigte der vorsitzende Richter nach Berichten der Presseagentur dpa ein langwieriges Verfahren an. Allein in der jetzigen Instanz könne der Prozess demnach bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen. Nestlé, weltgrößter Hersteller von Lebensmitteln, wollte sich zum Auftakt des Prozesses unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Die Behauptung von Seiten der Kläger, wegen Absprachen über Jahre zu hohe Preise für Zucker gezahlt zu haben, wird von den beklagten Zuckerherstellern nach Medienberichten bestritten. Diesen zufolge argumentieren die Unternehmen, den Kunden sei kein wirtschaftlicher Schaden entstanden.

Neue Aktien-Analyse sieht Aufwärtspotenzial

Im Mai hatte Südzucker-Vorstandschef Wolfgang Heer mit Blick auf die anstehenden Prozesse dem „Handelsblatt“ gesagt, dass Kunden zwischen juristischer Vergangenheitsbewältigung und laufendem Geschäft zu unterscheiden wüssten. An der Börse hatten die juristischen Hiobsbotschaften zwischenzeitlich für Kursturbulenzen gesorgt. Eine aktuelle Analyse der Commerzbank sieht bei den Papieren der Südzucker AG, die aktuell bei 23,87 Euro notieren, allerdings trotz des laufenden Prozesses Potenzial nach oben. Commerzbank-Analyst Michael Schäfer rechnet laut dpa-AFX mit einem guten Geschäftsergebnis und prognostiziert ein Kursziel von 26,50 für die Aktie des Mannheimer Unternehmens.