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Nach Doppelschlag: Eurowings plant keine weiteren Wachstumssprünge

Donnerstag, 29.09.2016 14:44 von

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Die Lufthansa-Billigmarke Eurowings plant nach den Deals mit Air Berlin (Air Berlin Aktie) und Brussels Airlines zunächst keine weiteren Wachstumssprünge. "Wenn wir 160 Flugzeuge erfolgreich integriert haben, haben wir eine Größe, von der wir glauben, dass man darauf aufbauen kann", sagte der für Eurowings zuständige Lufthansa-Vorstand Karl Ulrich Garnadt am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. "Dann würden wir weitere Schritte auch nicht machen." 2017 werde die Integration der Air-Berlin-Jets das Unternehmen voraussichtlich voll beschäftigen.

Eurowings betreibt derzeit eine Flotte von 90 Flugzeugen. Ab dem kommenden Sommerflugplan will Eurowings zudem 35 Jets von Air Berlin mieten und in die eigene Flotte integrieren. Binnen weniger Monate sollen die Jets umlackiert werden. Zudem hat die Lufthansa (Lufthansa Aktie) die Komplettübernahme der belgischen Fluglinie Brussels angeschoben, die ebenfalls an Eurowings andocken soll. Brussels ist derzeit mit 49 Flugzeugen unterwegs, von denen laut Eurowings-Geschäftsführer Jörg Beißel zumindest 38 Mittel- und Langstreckenjets "super" ins Eurowings-Konzept passen würden.

Mit einem Teil der Air-Berlin-Jets will Eurowings ab nächstem Jahr die schon angekündigte Basis am Münchner Flughafen aufbauen. Dort soll Eurowings gegen die Konkurrenz der Billigflieger Easyjet und Transavia punkten. Wohin die von Air Berlin übernommenen Jets künftig starten, entscheidet Eurowings. Das Unternehmen erhalte von Air Berlin keinerlei Start- und Landerechte, betonten beide Seiten. "Das würde das Wettbewerbsrecht verbieten", sagte Garnadt.

Von Brussels und dem Air-Berlin-Deal erwartet Eurowings besonders niedrige Betriebskosten. Schon heute sei Brussels Airlines im Lufthansa-Konzern die Airline mit den niedrigsten Kosten im Flugbetrieb. Beim Mieten der 35 Air-Berlin-Maschinen samt Besatzung will Eurowings ähnlich günstig davonkommen wie heute bei Eurowings Düsseldorf und Eurowings Europe. Die hochverschuldete Air Berlin will die Lufthansa mit der Vereinbarung nach eigener Darstellung nicht zusätzlich schwächen. Er erwarte, dass der Vertrag "zur Stabilisierung von Air Berlin beitragen wird", sagte Garnadt.

Die Air-Berlin-Jets sollen ab Ende März binnen kurzer Zeit in Eurowings-Farben auftreten - ebenso die Piloten und Flugbegleiter. "Die Umlackierung, die Anpassung der Kabine und die neuen Uniformen bezahlen wir", stellte die Eurowings-Führung klar. Dabei gehe es aber um weniger als 10 Millionen Euro. Die Wechsel der 35 Maschinen zu Eurowings soll binnen höchstens zehn Wochen geschafft sein. Die Neulackierung dürfte aber etwas länger dauern.

Über die Umstellung bei Brussels Airlines will sich Eurowings erst 2017 Gedanken machen. Hier werde es für die Kunden sichtbare Veränderungen erst in zwei Jahren geben, hieß es./stw/stb