Musikindustrie setzt Attacke auf YouTube fort

Dienstag, 13.09.2016 15:53 von

LONDON (dpa-AFX) - Kurz vor der erwarteten Präsentation der Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des Urheberrechts schießt sich die Musikindustrie weiter auf YouTube ein. Laut einer Umfrage nutzten 82 Prozent die Google-Videoplattform wegen der Musik, erklärte der globale Branchenverband IFPI am Dienstag. "Die Studie unterstreicht die dominierende Position von YouTube unter den Musikdiensten", betonte IFPI-Chefin Frances Moore. Die Musikkonzerne und zahlreiche Künstler werfen YouTube vor, mit einem breiten kostenlosen Song-Angebot Musik zu entwerten und gemessen an der Nutzerzahl zuwenig Geld an die Branche zu überweisen.

YouTube kontert, man gebe gemäß dem Geschäftsmodell mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen an die Rechteinhaber weiter und gebe ihnen mit Hilfe von Software zum Erkennen geschützter Inhalte genug Kontrolle auch bei von Nutzern hochgeladenen Songs. Die Plattform weigert sich zugleich, Geld für Song-Abrufe ohne begleitende Werbung zu bezahlen. Derzeit laufen neue Lizenzverhandlungen zwischen den großen Musiklabels und YouTube. Von der EU-Kommission werden demnächst Vorschläge zur Reform des Urheberrechts erwartet, die nach bisherigen Informationen strengere Regeln für Online-Plattformen enthalten können.

Die Umfrage im Auftrag des IFPI in 13 Ländern ergab auch, dass im Schnitt 37 Prozent lizensierte Musikstreaming-Angebote nutzen, bei denen die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Dabei schwankt die Popularität massiv von Land zu Land: An der Spitze stehe Mexiko mit 64 Prozent gefolgt von Schweden mit 61 Prozent der Internet-Nutzer. Die Japaner greifen mit einem Anteil von nur elf Prozent mit Abstand am seltensten auf Streaming-Musik zu. Deutschland hat mit 32 Prozent die drittniedrigste Streaming-Aktivität nach Kanada mit 27 Prozent.

Der Verband betonte, dass in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen fast jeder Dritte für einen Abo-Musikdienst bezahle, während es im Durchschnitt der 13 Länder insgesamt nur 18 Prozent seien./so/DP/fbr