MONTE CARLO/GESAMT-ROUNDUP: Rückversicherer hoffen weiter auf Trendwende

Montag, 12.09.2016 12:27 von

MONTE CARLO (dpa-AFX) - Im jahrelangen Preiskampf in der Rückversicherung hoffen die weltgrößten Anbieter Munich Re (Munich Re Aktie), Swiss Re und Hannover Rück (Hannover Rück Aktie) weiter auf ein Ende des Abwärtstrends. Bei den Vertragsverhandlungen im Schaden- und Unfallgeschäft für den kommenden Jahreswechsel sei das Marktumfeld jedoch "unverändert herausfordernd", räumte Rückversicherungs-Vorstand Torsten Jeworrek beim Branchentreffen "Rendez-Vous de Septembre" in Monte Carlo ein.

Während die Hannover Rück für 2017 auch wegen der jüngsten Katastrophen in Deutschland und Kanada "mehr Preisstabilität" in Aussicht stellte, meldete auch die Swiss Re am Montag, die Wende könne "nicht allzu weit entfernt" sein.

An den Aktienmärkten konnten die Unternehmen damit kaum punkten. Die Munich-Re-Aktie verlor im Einklang mit dem Dax bis Montagmittag knapp 2 Prozent an Wert. Für die Hannover-Rück-Papiere ging es um 1,32 Prozent, für die Swiss-Re-Titel um 1,04 Prozent nach unten.

In Monte Carlo sondieren Rückversicherer mit Erstversicherern wie der Allianz (Allianz Aktie) oder Axa (AXA Aktie) und Maklern wie Aon Benfield und Guy Carpenter jeweils im September die Preise und Bedingungen für die wichtigste Vertragserneuerung des Jahres. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) schätzt, dass die Preise im Schaden- und Unfallgeschäft 2016 und 2017 um jeweils bis zu fünf Prozent sinken - und damit weniger stark als in den Vorjahren.

Die Branche hofft auf eine Trendwende - und sucht Geschäftschancen rund um neue, bisher kaum versicherte Risiken. Einen positiven Impuls im klassischen Geschäft machte Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin bei den jüngsten Naturkatastrophen aus. Die Großschäden durch die Waldbrände in Kanada sowie Hagel und Überschwemmungen in Deutschland böten die Chance auf Preiserhöhungen in der Kfz- und Wohngebäudeversicherung. Auch die Swiss Re schätzt, dass sich die Preise nach den Schäden aus dem zweiten Quartal bald stabilisieren müssen.

Der Hannover Rück zufolge stehen die Prämien in anderen Bereichen wie der Industrie-Feuerversicherung und im Luftfahrt-Geschäft jedoch weiter unter Druck. Noch fraglich scheint die Entwicklung im wichtigen Naturkatastrophengeschäft in den USA. Dafür müsse man das Ende der Hurrikan-Saison abwarten, sagte Vorstandsmitglied Jürgen Gräber.

Die großen Rückversicherer versuchen mit dem Verzicht auf unrentable Verträge und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder gegenzusteuern. Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück bauen besonders auf das Geschäft mit der Cyberversicherung, die vor allem Unternehmen gegen die Folgen von Hackerattacken und Datenlecks absichert. Bis Ende 2020 dürfte das weltweite Cyber-Prämienvolumen von heute 3 Milliarden auf dann 8 bis 10 Milliarden US-Dollar wachsen, schätzt Munich-Re-Vorstand Thomas Blunck. Zuletzt lagen die Einnahmen der Munich Re in diesem Bereich noch bei knapp 200 Millionen, bei der Hannover Rück bei rund 100 Millionen Dollar (Dollarkurs).

Die Preise im Rückversicherungsgeschäft sind seit 2013 im Sinkflug. Weil ganz schwere Katastrophen ausblieben, können Erstversicherer und Großkunden in den Verhandlungen immer niedrigere Prämien durchsetzen. Das letzte Jahr mit immens hohen Schäden war 2011, als etwa die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan, Beben in Thailand und schwere Überflutungen in Thailand die Versicherungsbranche teuer zu stehen kamen.

Inzwischen sitzen die Rückversicherer auch dank vergleichsweise geringer Schäden auf dicken Kapitalpolstern. Damit wächst die Kapazität und das Angebot an Rückversicherungsschutz. Das anhaltende Zinstief tut sein Übriges: Weil andere Anlagen immer weniger abwerfen, drängen etwa Pensionsfonds und Hedgefonds mit Milliardensummen ins Rückversicherungsgeschäft. Laut der auf Versicherer spezialisierten Ratingagentur A.M. Best stellt dieses alternative Kapital mit 71 Milliarden Dollar heute rund ein Fünftel der weltweiten Rückversicherungskapazität.

Damit die Rückversicherer bei den Erstversicherern wieder höhere Prämien für die übernommenen Risiken durchsetzen zu können, muss laut Jeworrek einiges passieren. "Es braucht noch mehr Druck auf die Ergebnisse", sagte er. S&P erwartet, dass die Prämieneinnahmen der Rückversicherer im Schaden- und Unfallgeschäft spätestens 2017 nicht mehr ausreichen, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken./stw/she/stb