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Medienfriedhof Ungarn

Montag, 10.10.2016 14:20 von

Am Wochenende wurde kurzfristig die Orbán-kritische Tageszeitung „Nepszabadsag“ eingestellt. Die Mitarbeiter sprechen von einem „Putsch”. So liquidiert der ungarische Regierungschef die Pressefreiheit in dem EU-Land.

Viktor Orbán vergisst nicht. Seine herbe Niederlage bei der Volksabstimmung für den EU-Flüchtlingsplan lastet der Rechtspopulist auch den oppositionellen Medien an – allen voran der führenden Tageszeitung „Nepszabadsag“. Der Führer der Fidesz-Partei verfehlte bei seinem vor kurzem abgehaltenen Referendum wider Erwarten die notwendige Mindeststimmenzahl. Das Ansehen als unaufhaltsamer Volkstribun ist damit im eigenen Land zerbrochen.

Bei Insidern in Budapest ist daher das Erstaunen nicht wirklich groß, dass Orbán angesichts der Blamage Ungarn endgültig zum medialen Friedhof machen will. Seit diesem Montag erscheint die größte ungarische Oppositionszeitung nicht mehr gedruckt. Auch die Onlineausgabe wurde am Samstag eingestellt. Offizielle Begründung des österreichischen Eigentümers Mediaworks: Sie will einen neuen Käufer für das Blatt finden. Eigentümer ist 64-jährige, frühere Investmentbanker Heinrich Pecina mit seiner von ihm gegründeten Investmentfirma Vienna Capital Partners. Im Ungarn des Viktor Orbán gilt Pecina als bestens verdrahtet.

Sein Vorgehen für einen Weiterverkauf ist ungewöhnlich. Jedes Kind weiß, dass eine Einstellung der Zeitung – analog und digital – den Wert des Unternehmens und der Marke ins Bodenlose sinken lässt. Ein wirtschaftlich vernünftiger Unternehmer wählt einen anderen Weg für einen ernsthaften Verkaufsprozess. In Budapest wird längst darüber spekuliert, dass die Zeitung am Ende bei einem Orbán-freundlichen Investor landen wird.

„Nepszabadsag“ – als Meinungsführer gegen die autoritäre Demokratie in Ungarn – ist damit in seiner bisherigen Funktion tot. Die wichtigste Stimme gegen die seit 2010 regierende rechtspopulistische Fidesz-Partei ist seit diesem Wochenende von der Bildfläche verschwunden.

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