Lufthansa: Kein Ende in Sicht beim Pilotenstreik

Freitag, 25.11.2016 14:23 von

Viele Lufthansa-Flugzeuge bleiben am Boden
Viele Lufthansa-Flugzeuge bleiben am Boden - © Meinzahn istockphoto.com
Auch am dritten Tag des Streiks der Lufthansa-Piloten scheint eine Einigung in weiter Ferne. Die Piloten erhöhen deshalb den Druck.

"Es gibt kein vorher festgelegtes Enddatum für den Streik", teilte Jörg Handwerg, Sprecher der Vereinigung Cockpit, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt mit. Ziel des seit Mittwoch anhaltenden Streiks sei es, ein verhandlungsfähiges Angebot der Lufthansa zu erhalten. Erst wenn dies vorliege, könne der Arbeitskampf beendet werden. Darüber sind sich die Gewerkschaftsmitglieder der Vereinigung Cockpit einig. "Die Kollegen erwarten, dass wir die Lufthansa nicht mit Samthandschuhen anfassen", so Handwerg. 

Demonstration als nächster Schritt

Doch seitens der Vereinigung Cockpit bleibt es nicht nur beim Aufruf zum Streik. Für kommenden Mittwoch (30. November) wurde bereits eine Demonstration am Flughafen Frankfurt angemeldet - der Heimatbasis der Lufthansa. Handwerg wies jedoch darauf hin, dass es sich hierbei um eine Vorsorgemaßnahme handele. Unter den Gewerkschaftsmitgliedern sei der Wunsch vorhanden, Einigkeit zu zeigen. Zu einer Demonstration würde es jedoch nur kommen, wenn die Notwendigkeit für dieses Signal am kommenden Mittwoch noch bestehe. Ob auch der Streik bis dato anhalten werde, sei vom Verhalten der Lufthansa abhängig, erklärte Handwerg. 

Bisherige Streikbilanz

Während die Lufthansa am Mittwoch 880 Flüge auf der Kurz- und Langstrecke streichen musste, konnten am Donnerstag mehr als 910 Flugzeuge nicht starten. Auch am heutigen Freitag mussten erneut 830 Kurz- und Mittelstreckenflüge annulliert werden. Mehr als 315.000 Passagiere konnten deshalb in den vergangen drei Tagen ihren Flug nicht antreten. Am morgigen Samstag sollen alle Langstreckenverbindungen betroffen sein, die aus Deutschland starten, teilte die Vereinigung Cockpit am Donnerstagabend mit. Wie es danach weitergeht ist derzeit noch ungewiss. Flüge der Lufthansa-Billigtöchter Germanwings, Eurowings sowie der Konzerngesellschaften Air Dolomiti, Austrian Airlines, SWISS und Brussels Airlines sind von den Streikmaßnahmen bisher nicht betroffen gewesen.

Stand der Verhandlungen

Die Lufthansa forderte von ihren streikenden Piloten unterdessen erneut, sich auf ein Schlichtungsverfahren einzulassen. Die von der Airline gezahlten Gehälter lägen bereits über dem Durchschnitt. Mit einer Mitarbeiteranzahl von 120.000 sei das Unternehmen bestrebt, sich zukunftsfähig aufzustellen, verkündete Vorstandsmitglied Harry Hohmeister am Donnerstag. „Das wird mit einer Forderung von 20 Prozent mehr Lohn nicht möglich sein.“

Mit seiner Aussage deutet Hohmeister bereits an, dass Angebot und Forderung aktuell weit auseinander klaffen. Zuletzt hatte die Lufthansa ihren Piloten im Tarifkonflikt, der mittlerweile bis April 2014 zurückreicht, eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Darauf wollte sich die Vereinigung Cockpit nicht einlassen und fordert stattdessen ein Gehaltsplus von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017. Cockpit-Sprecher Handwerg kritisierte in diesem Zusammenhang die Verhandlungsbereitschaft der Airline: "Das Lufthansa-Management zeigt weiterhin keinerlei Bewegung [...]. Der Vorstand lässt nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die Kunden zunehmend unter dieser kompromisslosen Unternehmenspolitik leiden."

Konsequenzen der Arbeitsniederlegung

Mit der anhaltenden Arbeitsniederlegung steigen auch die Kosten für die Lufthansa. Rund zehn Millionen Euro koste jeder Streiktag die Airline, erklärte Hohmeister. Der mit dem Streik einhergehende Imageschaden sei in dieser Summe noch nicht berücksichtigt und zudem auch nicht genau bezifferbar. Er spiegle sich jedoch bereits in den mittelfristigen Buchungszahlen wider, so das Vorstandsmitglied weiter. 

Unterdessen machen sich Experten sorgen um den Ruf der Branche. Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen beklagte: "Piloten kämpfen für ihre Besitzstände und riskieren damit die Reputation der ganzen Branche." Ähnlich sieht das auch Michael Rabe, Generalsekretär vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft: "Jeder Streiktag kostet unsere Branche viel Geld, Kunden und Vertrauen".