Top-Thema

Lufthansa-Aktie ist Schlusslicht im DAX – Drohen jetzt auch Streiks bei Germanwings?

Mittwoch, 30.11.2016 11:58 von

Bleiben bald auch Germanwings-Flieger am Boden?
Bleiben bald auch Germanwings-Flieger am Boden? - © istockphoto.com / Juha Remes
Die Piloten der Lufthansa streiken weiter, Flugzeuge der Kranich-Airline bleiben am Boden. Laut Medienberichten könnten nun auch Streiks bei der Lufthansa-Tochter Germanwings drohen.

Während sich der Streik der Lufthansa-Piloten auch am Mittwoch fortsetzt und heute zum Ausfall von 890 Flügen führt, könnten sich die Arbeitsniederlegungen laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung jetzt auf die Lufthansa-Tochter Germanwings ausweiten. Das Blatt beruft sich dabei auf Kreise der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die sich bislang nicht zu dem Bericht der Zeitung geäußert hat.

Lufthansa verzeichnet Buchungsrückgänge

Bisher ist nur die Lufthansa von den Streiks betroffen, die mittlerweile seit sechs Tagen andauern – Jets der Tochter-Fluggesellschaften Eurowings und Germanwings fliegen weiterhin nach Plan. Nach Angaben eines Konzernsprechers sind von den heutigen Flugausfällen 98.000 Passagiere betroffen. Lufthansa-Kunden verlieren wegen der Flugausfälle – seit Beginn des Streiks konnten rund 4500 Flieger nicht starten – langsam, aber sicher die Geduld mit der Kranich-Airline: Laut Medienberichten verzeichnet Europas zweitgrößte Fluggesellschaft inzwischen deutliche Rückgänge bei den Buchungen. Die Lufthansa geht davon aus, dass jeder Streiktag den Konzern 10 bis 15 Millionen Euro kostet.

EU-Kommission fordert Einigung

Die Auseinandersetzung, die sich in erster Linie um Pilotengehälter dreht, spaltet zunehmend die Lufthansa-Belegschaft: Für heute rief der Frankfurter Betriebsrat des Bodenpersonals zu Gegendemonstrationen auf – er befürchtet einen weitreichenden wirtschaftlichen Schaden für den Konzern und spricht von einem „zerstörerischen“ Konflikt. Von Seiten der EU-Kommission erging der Aufruf zur Einigung: Violeta Bulc, Verkehrskommissarin der EU, erklärte gegenüber der „Welt“, dass der Konflikt aufgrund der engen Beziehungen im Luftfahrtsektor „erhebliche Kosten für alle Beteiligten in Europa“ nach sich ziehen könne. Sie forderte die Konfliktparteien auf, „gemeinsam an einer Lösung“ zu arbeiten.

Aktie notiert am DAX-Ende

Die Millionenschäden des Tarifstreits schlagen sich im Aktienkurs der Lufthansa nieder. Am heutigen Handelstag notieren die Papiere der Kranich-Airline knapp über der Zwölf-Euro-Marke – ein Kursverlust von mehr als drei Prozent. Noch 2014 lag der Kurs der Lufthansa-Titel bei 20 Euro, doch in den letzten beiden Jahren sorgte der Preiskampf unter Europas Fluggesellschaften für einen Abwärtstrend der Lufthansa-Aktie. Nachdem die Papiere im September kurzzeitig unter 10 Euro notierten, schien sich die Aktie zu erholen – erst der neue Tarifkonflikt unterbrach die Aufwärtsbewegung. Aktuelle Analysen sehen die weitere Entwicklung der Papiere mit Sorge: Während eine Morgan-Stanley-Studie vom Montag ein Kursziel von 9,20 Euro prognostizierte, sieht eine gestern veröffentlichte Analyse von Kepler Chevreux die Aktie langfristig bei einem Kurs von 9,50 Euro – der anhaltende Pilotenstreik gefährde demnach die Jahresziele des Konzerns.