Linde: haben die Anleger jetzt das Nachsehen?

Mittwoch, 21.09.2016 03:34

Kommentar von Ethan Kauder

Robert Sasse: Herr Kauder, beim Industriegasespezialisten Linde ging es in den letzten Tagen hoch her. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Ethan Kauder: Der Grund für die Turbulenzen war wohl in erster Linie der, dass das Unternehmen von der geplanten Übernahme von Praxair Abstand genommen hat. Für die Aktionäre war das erstmal ein heftiger Schlag ins Kontor. Denn der deutliche Kurssprung von 20 Prozent im vergangenen Monat war den Spekulationen um eine mögliche Fusion zu verdanken. Jetzt ist dieser Traum wie eine Seifenblase geplatzt und der Kurs ist wieder abgerutscht.

Robert Sasse: Was meinen Sie, aus welchen Gründen die Übernahme doch nicht zustande kommt?

Ethan Kauder: Wenn ich mich darauf berufe, was die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet hat, dann stand der zukünftige Firmensitz im Fokus. Der Freistaat Bayern wollte wohl verhindern, dass die Zentrale des neu fusionierten Unternehmens von München nach London zieht. Dass es hinter den Kulissen politischen Druck gab, kann meiner Meinung nach nicht ausgeschlossen werden.

Robert Sasse: Gab es da nicht noch weitere Gründe auf Personalebene?

Ethan Kauder: Ja, auch da scheint es zu Differenzen gekommen zu sein. Der jetzige Praxair-Chef Stephen Angel hätte Vorstandsvorsitzender werden sollen, wobei der Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle im Amt geblieben wäre. Damit war jedoch Wolfgang Büchele als momentan amtierender Linde-Boss nicht einverstanden.

Robert Sasse: Wurde damit nicht etwas zu kurzfristig, um nicht zu sagen egoistisch gedacht?

Ethan Kauder: Eine gute Frage. Fakt ist auf jeden Fall, dass Linde nun eine Chance vertan hat, die Nummer Eins auf dem Weltmarkt für Industriegase zu werden. Wann sich in Zukunft eine ähnliche Gelegenheit ergeben wird, ist völlig offen. Jetzt haben zunächst einmal die Anleger das Nachsehen.

Robert Sasse: Wird das Ganze nicht um so erstaunlicher dadurch, dass Büchele dieser Tage angekündigt hat, seinen im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag ohnehin nicht zu verlängern?

Ethan Kauder: Wenn man sich die Nachrichten aus den letzten Tagen ansieht, dann scheint in Lindes Chefetage nun wahrlich nicht alles eitel Sonnenschein gewesen zu sein. Im „Handelsblatt“ stand zu lesen, dass es – laut Reitzle – auch noch zu einem Streit von Büchele und dem Finanzchef Georg Deneke gekommen ist. Letzterer musste mittlerweile seinen Hut nehmen.

Robert Sasse: Herr Kauder, vielen Dank für das Gespräch.

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