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Leifheit: langweilige Haushaltsgeräte, solide Renditen

Dienstag, 10.01.2017 11:01

Leifheit ist ein deutscher Hersteller von Haushaltsgeräten und die meisten von uns haben ein oder mehrere Produkte des Unternehmens in Benutzung, zumeist in der Küche oder der Besenkammer. Die beiden Qualitätsmarken Leifheit und Soehnle sind durchaus bekannt, aber aufgrund der Art der Produkte eher unauffällig: Wäschespinnen, Bügelbretter, Waagen, Flaschenöffner, das sind keine Glamour-Produkte, die Schlangen vor den Läden auslösen. Aber sie sind halt die kleinen und großen Helferlein, die jeder irgendwie braucht. Und immer häufiger kommen diese Produkte aus dem Hause Leifheit. Ergänzend setzt das Unternehmen auch noch auf das margenschwächere Volumengeschäft mit den beiden Marken Herby (Wäschetrockner) und Birambeau (Küchenhelfer).

Was auf den ersten Blick also völlig unspektakulär aussieht, hat durchaus eine bewegte jüngere Vergangenheit hinter sich. Denn die ehemals zur Produktpalette gehörenden Dr. Oetker Backgeräte wurden aussortiert, weil sich das Unternehmen mehr auf seine eigenen beiden Kernmarken fokussieren möchte. Ziel der Strategie ist es, die Marke Leifheit mit ihren Kategorien ‚Reinigen‘, ‚Wäschepflege‘ und ‚Küche‘ stärker herauszustellen sowie die Marke Soehnle als attraktive, moderne Wellnessmarke zu positionieren.

Aktienkurs birgt Überraschungen
Wenn man sich das langweilige Produktportfolio ansieht, möchte man kaum glauben, dass die Leifheit-Aktie (WKN: 646450 / ISIN: DE0006464506) in den vergangenen fünf Jahren mehrere hundert Prozent zugelegt hat. Ende 2011 notierte sie bei rund 15 Euro, um Anfang 2015 auf 60 Euro ihren bisherigen Höchstkurs zu finden – eine glatte Vervierfachung, die dann allerdings ein zwischenzeitliches abruptes Ende fand.

Leifheit-Chart: finanztreff.de

Mehrheitsaktionär stieg aus
Denn bis April 2015 war die HOME Beteiligungen GmbH der Gründerfamilie Schuler-Voith mit knapp über 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt und dort hatte man sich nun entschieden, ganz auszusteigen. Das Aktienpaket wurde bei institutionellen Investoren untergebracht, was den Aktienkurs auf Talfahrt bis auf 40 Euro brachte, so dass er unter dem Strich rund ein Drittel einbüßte. Die MKV Verwaltungs GmbH der Familie Knapp-Voith ist der verbliebene Ankeraktionär und hält weiterhin gut 10% der Leifheit-Aktien.

Man hätte nun vermuten können, dass der Kursabsturz mit schlechten Unternehmenszahlen einherging, aber genau das Gegenteil war der Fall. Denn im Lauf des Jahres 2015 hat das Management mehrfach seine eigenen Prognosen angehoben, was auch am starken Dollar lag. Aber nicht nur. Vor allem greift die neue Unternehmensstrategie „Leifheit 2020“, einem Mix aus Preiserhöhungen, Innovationen und einer Sortimentsüberarbeitung zeigt zunehmend Erfolg in Form konzernweit ansteigender Bruttomargen. Hinzu kommen Produktinnovationen und das eine oder andere Facelifting, denn CEO Thomas Radke weiß durchaus, dass einige der Leifheit-Produkte optisch etwas in die Jahre gekommen sind und einer Auffrischung bedürfen.

Leifheit übertraf sich mehrfach selbst
Die eigenen Prognosen zu übertreffen, hat inzwischen fast Tradition in Hause Leifheit. Denn sowohl im Jahr 2014 als auch wiederholt im Lauf des Jahres 2015 berichtete das Unternehmen über seine Geschäftsentwicklung und konnte regelmäßig die eigenen Erwartungen toppen. Die im November 2015 vorgelegten Zahlen sprechen für sich: auch im dritten Quartal konnte der Konzern Umsatz sowie Ergebnis weiter steigern und wies ein Umsatzplus von 7,1 Prozent auf 173,2 Mio. Euro aus. Das operative Ergebnis (EBIT) des Leifheit-Konzerns wuchs um 10,8 Prozent auf 17,9 Mio. Euro bei einer EBIT-Marge von 10,4 Prozent. Nach Abzug von Steuern blieben davon 11,9 Mio. Euro übrig, was einem Plus von 12,2 Prozent zum Vorjahreswert entspricht…

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Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de